Auch in der Sowjetunion werden die Aussichten der Anwärter auf das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten aufmerksam verfolgt, obwohl es nach der Auffassung der „Prawda“ ziemlich gleichgültig ist, ob ein republikanischer oder ein demokratischer Präsident gewählt wird, da jeder Kandidat doch nur ein Instrument der „kapitalistischen Bosse“ sein würde. Schon jetzt, behauptet das Blatt, hatten sich einflußreiche Kreise der Republikaner und der Demokraten auf General Eisenhower geeinigt, um unter ihm den aggressiven Kurs in vollem Umfang fortsetzen zu können. Ein starker Rivale Eisenhowers sei jedoch der Senator Robert A. Taft, der „es geschickt versteht, die plötzliche Wandlung seines Konkurrenten als einen Beweis für seinen Mangel an Aufrichtigkeit auszunutzen“. Präsident Truman habe seine eigene Kandidatur nur in der Erwartung eines Sieges von Eisenhower zurückgezogen. Sollte aber Mr. Taft in Chicago zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten gewählt werden, so könne es geschehen, daß Mr. Truman sich doch noch entschließt, die Kandidatur der demokratischen Partei anzunehmen.

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Als vor einiger Zeit der sowjetische Delegierte in der Abrüstungskommission, Jakob Malik, die Vereinigten Staaten daran erinnerte, sie hätten das Genfer Protokoll vom 17. Juni 1925 über das Verbot bakteriologischer Waffen nicht ratifiziert, versuchte der amerikanische Vertreter, Benjamin V. Cohen, den sowjetischen Einwand mit der Bemerkung abzutun, das Protokoll sei „unter den modernen Verhältnissen und im Hinblick auf die in einigen Staaten geübte Praxis veraltet“.

Wochenlang hörte man über diese Angelegenheit nichts mehr, bis der gleiche Herr Malik, diesmal im Sicherheitsrat, dessen Vorsitz er turnusmäßig im Juni führt, dieses Gremium zu einer Sondersitzung einberief, auf deren Tagesordnung zwei Punkte standen: erstens, der Rat solle einen Appell an alle Staaten richten, das Genfer Protokoll vom 17. Juni 1925 zu ratifizieren, und zweitens, der Sicherheitsrat solle sich mit der Frage der Aufnahme neuer Mitglieder befassen. Im Verlauf der noch nicht abgeschlossenen Debatten ergab es sich bisher, daß 41 Staaten das Genfer Protokoll ratifiziert hatten und daß von den im Sicherheitsrat vertretenen Ländern neben den Vereinigten Staaten auch Brasilien das Protokoll nicht ratifiziert hat. Der amerikanische Delegierte, Ernest A. Gross, erklärte, es müsse den Historikern überlassen bleiben festzustellen, warum die Vereinigten Staaten das Protokoll nicht in der Vorkriegszeit ratifiziert hätten! Präsident Truman habe den Antrag auf Ratifizierung durch den Senat im Jahre 1947 zurückgezogen, „da das Protokoll veraltet sei“. Das Bestreben Washingtons geht dahin, den Antrag Maliks zur weiteren Behandlung der Abrüstungskommission zuzuleiten.

Den Anträgen von vierzehn Ländern auf Aufnahme in die Vereinten Nationen, von denen neun von den Westmächten und fünf von den Ostblockstaaten gefördert werden, konnte bisher nicht entsprochen werden, weil die von Rußland vorgeschlagene en-bloc-Aufnahme von den Vereinigten Staaten abgelehnt wird. Nachdem nun Japan als fünfzehntes Land den Aufnahmeantrag gestellt hat, besteht jedoch die Möglichkeit einer Änderung der amerikanischen Haltung.

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Mit der Annahme des Schuman-Planes durch die italienische Abgeordnetenkammer haben alle beteiligten Staaten diesen Plan ratifiziert, so daß die ersten Schritte zur Schaffung eines einzigen Marktes für westeuropäische Kohle und Stahl auf der Ende Juni stattfindenden Sitzung der sechs Außenminister getan werden können. Hierzu gehören die Wahl der neun Mitglieder und des Vorsitzenden der übernationalen „Hohen Behörde“ und die Festlegung ihres Sitzes, ferner die Benennung der von den Regierungen zu bestimmenden sieben Richter des Gerichtshofes sowie der Mitglieder der sich aus Abgeordneten der Länderparlamente zusammensetzenden „Allgemeinen Versammlung.“ Nun haben sich aber im letzten Augenblick dadurch Schwierigkeiten ergeben, daß die französische Regierung mit einer Verzögerung des Inkrafttretens des Schuman-Planes droht, weil nach ihrer Ansicht die Auflösung des deutschen Kohlenkontors noch nicht in einer sie befriedigenden Weise ausgeführt worden sei.