Ein Interview im Krankenhaus

Unser indischer Korrespondent B. J. Modi, der sich zur Zeit in Deutschland aufhält, hatte Gelegenheit, sich mit Dr. Hussein Fatemi zu unterhalten, der im Elisabeth-Krankenhaus in Hamburg die Folgen eines im Februar in Teheran auf ihn verübten Attentats auskuriert.

Fatemi ist 38 Jahre alt. Er ist als der engste Berater Mossadeks im vorigen Jahr mit ihm in Washington gewesen und kam vor ein paar Wochen, als Mossadek nach Den Haag reiste, mit ihm nach Europa. Fatemi ist Vize-Ministerpräsident und nach Mossadek die wichtigste Persönlichkeit in der Nationalen Front. Den Doktor der Nationalökonomie hat er in Paris an der Sorbonne erworben.

Über die Angelegenheit Rose Mary befragt, sagte er, daß der Abschluß mit der Schweizer Gesellschaft persönlich von Mossadek getätigt worden sei und daß die persische Regierung im übrigen den Gegenwert bereits erhalten habe. Die ganze Angelegenheit gehe Persien überhaupt nichts mehr an. Es werde sich vielmehr ausschließlich um eine Auseinandersetzung zwischen der Schiffahrtsgesellschaft und der Firma, die das Öl gekauft habe, handeln. Was der Haager Gerichtshof entscheide, sei für Persien gleichgültig, Mossadek fliege in jedem Fall am 30. Juni nach Hause.

Fatemi bezeichnete den ganzen Ölstreit als eine Schlacht zwischen Persien und Großbritannien, deren Ausgang lediglich von der Frage abhänge, wer es länger aushalten könne. Er ist überzeugt, Persien werde durchhalten, Mossadek sei genau so populär wie je und die Nationale Front fest etabliert. Wenn es allerdings Persien nicht gelingen sollte durchzuhalten, das heißt, wenn Persien zusammenbräche, dann würde unvermeidlich der Kommunismus seinen Einzug halten. Persien habe von sich aus alles getan, um dieses Schicksal aufzuhalten – es habe sich sogar geweigert, Öl an Rußland oder an irgendein kommunistisches Land zu verkaufen. Die europäischen Kolonialmächte, Frankreich und England, machten es aber einem liberal empfindenden Asiaten, wie ihm selber, unmöglich, sich dem westlichen Block anzuschließen. Mossadek sei daher, so sagte er, ein überzeugter Neutralist, der ganz auf dem Boden der Nehruschen Anschauung stehe.

In diesem Zusammenhang erklärte Fatemi, daß er die Nehrusche These eines asiatischen Neutralismus im Frieden voll unterstütze. Alle asiatischen Nationen sollten sich geschlossen als Block aus dem kalten Krieg heraushalten; anders sei es im Falle eines Krieges, da die asiatischen Nationen allein zu schwach seien, um gegen den Kommunismus standzuhalten, man werde daher, wenn es soweit kommen sollte, sich dann entscheiden müssen, auf welcher Seite man stehe.