hn, Paris, im Juni

Die noch von der Regierung Faure im Februar beschlossenen Importrestriktionen, wonach die Ausgabe von Importlizenzen für Einkäufe im EZU-Raum für sechs Wochen vollkommen eingestellt war, haben sich prompt ausgewirkt, und haben zu (wenn auch geringen) Exportüberschüssen in den letzten Monaten geführt. Seit März werden nun neuerlich Einfuhrlizenzen, in sehr geringem Umfange freilich nur, ausgegeben. Die monatliche Importquote für den Zeitraum April-Juni beträgt 140 Mill. Die französische Exportwirtschaft verlangt nun energische Maßnahmen, um von der Stagnation des Außenhandels freizukommen. Die Handelsbilanz kann in der Tat nur über eine wesentliche Erhöhung des Exportes verbessert werden, und eine Stabilisierung der Währung wiederum ist ohne ausgeglichene Handelsbilanz undenkbar. Ministerpräsident Pinay lehnt dazu eine Abwertung des Franc ab. Manche glauben hier, daß eine Wertangleichung wahrscheinlich nach der im September stattfindenden internationalen Währungskonferenz erfolgen könnte und daß Pinays Argumente für die Beschlüsse dieser Konferenz nicht viel Gewicht haben würden. In offiziellen Kreisen verspricht man sich viel von den Wirkungen des Preisabbaus, von den verschiedenen Erleichterungen, die der Exportwirtschaft (auf dem Gebiet der Steuern und der Sozialversicherungsbeiträge) geboten werden, und von einer Reduktion der Gewinnspannen in den Exportindustrien. Freilich ist der französische Franc (gegenüber dem Ausland) um etwa 25 v. H. überbewertet. Eine Preisreduktion in diesem Umfang ist undenkbar und wird auch gar nicht erwartet. Gewiß versucht die Regierung, die Baisse im Inland zu verstärken; sie ging sogar mit gutem Beispiel voran, als sie den Kohlenpreis um 4 4. H. senkte ... Die direkten Wirkungen dieser Maßnahme auf die Industriepreise, mit 1,1 v. H. bei Stahl, 0,24 v. H. bei Aluminium, 0,40 v. H. bei Automobilen, 0,48 v. H. bei Traktoren, 1,30 v. H. bei Zement, sind freilich minimal. Selbst wenn sie noch durch andere Faktoren verstärkt werden, so geben sie noch kein ausschlaggebendes Resultat, wie es für die Exportwirtschaft eine Wertangleichung des Franc bedeuten könnte. Ohne ein Mehr an Exporten aber gibt es keine Devisen, und ohne Devisen ist ein Großteil der Wirtschaft lahmgelegt, wenn keine Rohstoffimporte bezahlt werden können ... Wie die französische Regierung bis zum 30. Juni unter solchen Umständen den Kredit von 100 Mill. $ an die EZU wird zurückzahlen können, ist immer noch eine offene Frage. Die Senkung der Kohlenpreise schafft auf der anderen Seite im Budget der Zechenverwaltung ein Defizit von 6 Mrd. Francs; da man (schon im Hinblick auf den Schuman-Plan ...) nicht an eine Verringerung der Investitionen im Bergbau herangehen will, muß die Regierung den Zechen einen Kredit in entsprechender Höhe einräumen.

Die Hoffnungen auf den „unsichtbaren Export“ aus dem Touristenverkehr, der jedes Jahr der Notenbank bedeutende Devisenmengen zuführt, scheinen sich für dieses Jahr nicht erfüllen zu wollen, da die französischen Preise zu hoch sind. Gewiß hat Pinay eine Umkehr der Preistendenz erreicht; auf die fortschreitende Hausse ist ein Preisstillstand mit leichter Tendenz zur Baisse gefolgt. Das ist ein großer Erfolg.. Aber: mit der Stabilisierung der Preise allein ist der französischen Exportwirtschaft nicht geholfen, und ohne wesentliche Verbesserung der Handelsbilanz ist das „Experiment Pinay“ letzten Endes doch nur ein – Experiment und noch kein echter Ausweg.