Kritik an der Unzulänglichkeit des Gesetzentwurfes zur Kapitalmarktförderung, Pessimismus über eine Verwirklichung der Altsparer-Entschädigung im jetzigen Zeitpunkt und ein erneuter massiver Generalangriff auf die Steuerpolitik Bonns waren – auf einen Nenner gebracht – die Angelpunkte der Tagung des Bayerischen Sparkassen- und Giroverbandes in München. Aufhorchen ließ vor allem die Skepsis des bayerischen Wirtschaftsministers Dr. Seidel, der im Augenblick eine Barentschädigung für die Altsparer wegen einer zu starken Anspannung des öffentlichen Haushaltes für ebenso unmöglich hält wie eine Satisfaktion mit veräußerlichen Wertpapieren oder eine „Wiedergutmachung“ in gesperrten Titeln, die den zukünftigen Kapitalmarkt belasten, ohne die Sparermoral zu heben.

Es ist besser bestellt um die Sparermoral. Darüber besteht kein Zweifel. Denn sonst könnte man nicht für 1952 mit einem Zugang von 2 Mrd. DM als Kapitalneubildung in Form neuer Spareinlagen rechnen. Nicht soviel verspricht man Sparvon der Steuermoral einer Gesetzgebung, die – und damit stieß der ehemalige bayerische Finanz minister Dr. Zorn in Prof. Erhards Horn – der Faulen belohnt, um den Tüchtigen zu strafen Einst als Verwirklichung der Gerechtigkeit gepriesen, ist das Instrument der Einkommensteuer heute eine unmoralische Einrichtung und zum Sparerfeind Nr. 1 geworden. Besonderes Gewich aus dem Munde eines ehemaligen Staatsminister aber haben jene Worte Dr. Zorns, die er gegen die unersättlichen Expansionsbestrebungen de Staats-Allmacht fand: Das mangelnde Vertrauen in eine Staatspolitik, die nicht so sehr Wirtschaft lichen Notwendigkeiten entspringt, als oft de Befriedigung des Machtbedürfnisses, habe zu eine Krise geführt, die nur beseitigt werden könne wenn sich der Staat auf seine ureigensten Auf gaben besinnt: Ordnung, Recht und sozialei Frieden zu gewährleisten, nicht aber Wirtschaft liche Experimente durchzuführen. H. K.