In der abgelaufenen Börsenwoche war eine leichte Tendenzänderung unverkenbar. Seit langer Zeit standen in den Auftragsbüchern der Banken wieder mehr Kauf- als Verkaufsorder. Demnach hat es den Anschein, als ob es der Kundschaft endlich zum Bewußtsein gekommen ist, daß die Abgabe ihrer Papiere zu den augenblicklichen Kursen einem „Verschenken“ nahe kommt. Wenn sich auch die Umsätze noch nicht spürbar gehoben haben, so ist man in den Börsenbüros doch schon über die Stirnmungsänderung sehr froh, die übrigens im Westen stärker ist als im Norden. Die Diskussionen um das Kapitalmarktgesetz haben die Stimmung merklich aufgelockert. Man ist sich zwar darüber im klaren, daß es mit den positiven Auswirkungen dieses Gesetzes noch viel Zeit haben wird; die Tatsache jedoch, daß die gesetzgeberischen Instanzen sich endlich „um die Dinge kümmern“, hat Hoffnungen ausgelöst.

Als besonders dringlich wird der Fortfall der Dividendenbeschränkung empfunden. Eine ganze Reihe von Gesellschaften hat ihren Wiederaufbau beendet, den Vorkriegsproduktionsstand erreicht oder überschritten und kann daher ohne Schwierigkeiten mehr als 6 v. H. Dividende (Höchstgrenze) verteilen. Da erfahrungsgemäß die aus den Dividenden stammenden Beträge zu einem sehr großen Teil wieder ihre Anlage in Wertpapieren suchen, sind die Börsen- und Bankkreise an einer vernünftigen Regelung interessiert.

Die Zulassung der IG-Farben-Aktien zum Handel hat sich – wie erwartet – um einige Tage verschoben. Sie wird jedoch, allen Querschüssen der Gewerkschaften zum Trotz, nun endlich in den ersten Julitagen erfolgen. Hinsichtlich des Einführungskurses ist man optimistischer geworden, nachdem die Banken melden, daß sich bei ihnen die bisher vorliegenden Kauf- und Verkaufsorder ungefähr die Waage halten. Im übrigen widmen die Börsenvorstände dieser Angelegenheit große Aufmerksamkeit, um unliebsame Überraschungen möglichst auszuschließen. Der innere Wert der IG-Farben-Aktie ist bei dem jetzigen Stand der Entflechtung zwar kaum exakt zu beurteilen; dochberechtigen die bisherigen Veröffentlichungen der IG-Bilanz sowie der Umsätze der einzelnen Werke zu der Annahme, daß der tatsächliche Wert über Part liegt. Mit Recht warnt die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz vor Verkäufen im Anfangsstadium, die zu ungerechtfertigt niedrigen Kursen erfolgen könnten. In Zürich notieren die Aktien 102 bis 103 sfrs für 100 RM.

Der Montanmarkt war in der abgelaufenen Börsenwoche nicht ganz einheitlich. Während es zu Beginn noch zu weiteren Kursrückgängen kam, zeichnete sich bei der Mehrzahl der Papiere schon eine freundlichere Haltung ab, die am Wochenende sogar zu festen Kursen führte. Klöckner stand im Mittelpunkt des Interesses, da nach einer neuen Version die Umstellung 1:3 1/4 erfolgen soll. Die Papiere stiegen von 198 auf 208 v. H. Gegen solche „handfesten“ Argumente konnten selbst die aufgewärmten Parolen des DGB nicht aufkommen, die die Rückstellung des Aktienumtausches in der Montanindustrie forderten. Der ebenfalls aus Umstellungsgründen stark forderte Kurs von Harpener Bergbau vermochte sich nicht zu halten und fiel von 240 auf 235 v. H. zurück. Die 4 1/2prozentigen Harpener Bonds von 35 holten die Aufwärtsbewegung der Aktien nach und stiegen von 112 auf 126 v. H. Dt. Erdöl gaben einen Gewinn von Anfang der Woche wieder ab, nachdem bekannt wurde, daß für 1951 noch nicht mit einer Dividende zu rechnen ist...

Ka11werte haben die Schwächeperiode überwunden und waren erhöht Die Meinungskäufe bei Wintershall resultierten aus Dividendenhoffnungen. Der Großbankenmarkt kam wieder etwas in Bewegung, wobei, sich mehrprozentige Kursgewinne – ergaben. Noch immer wird die unterste Grenze für die Umstellung bei den Großbanken auf 10:6 geschätzt. Reichsbank-Zuteilungsrechte wurden lebhafter umgesetzt und stiegen vorübergehend auf 53 v. H. Hier wirkte offensichtlich die auch vom Ausland geforderte Regelung der Entschädigung für die alten Anteilseigner. Am Markt für Zuteilungsrechte waren wieder Umtauschaktionen zu beobachten, die naturgemäß in den betreffenden Werten zu Margenverminderungen führten. Aber es ergeben sich auch weiterhin hier lohnende Gewinnchancen. Die jetzt vom Gericht festgesetzte Abfindungsquote von 40 v. H. für die freien Aktionäre der Oldenburg-Portugiesischen Dampfschiffs-Rhederei hat auch bei den freien Aktionären der Hamburg-Süd ähnliche Erwartungen geweckt; ob sie in diesem Fall allerdings berechtigt sind, ist noch fraglich.

Der Rentenmarkt blieb unbeweglich. Lediglich in RM-Industrieobligationen (und insbesondere in Zuteilungsrechten) fanden größere Umsätze statt. Wer mit den Rück-Zahlungsterminen vertraut ist, wird hier sichere Gewinne erzielen können. Auf die Obligationen des Mülheimer Bergwerksvereins ist der volle Zinsendienst wieder aufgenommen worden. Die Bergwerksgesellschaft Hibernia AG hat ihre 4 1/2prozentigen Obligationen von 39 zur Rückzahlung zum 1. Juli 1952 aufgerufen. –ndt.