Die Technische Hochschule Karlsruhe gilt auf dem Gebiete der Wasserwirtschaft in der ganzen Welt als eine Autorität, gleichgültig, ob es sich nun um Fragen einer Flußregulierung in Asien, um ein Kraftwerk in den Anden oder um den Bau eines Staubeckens in der Türkei handelt. Als Professor Dr. O. Jaag von der Eidgenössischen TH in Zürich kürzlich im großen Chemiesaal der TH Karlsruhe nach der Aufführung des Schweizer Films „Wasser in Gefahr“ seinem deutschen Kollegen, Professor Dr.-Ing. W. Strickler, unter dem Beifall des Auditoriums eine Kopie dieses Kulturfilms als Geschenk überreichte, empfanden alle Anwesenden über das Symbolische der Geste hinaus die Bedeutung dieser Stunde.

Zum erstenmal war der Öffentlichkeit ein Problem vor Augen geführt worden, ohne dessen Lösung unsere Existenz unmittelbar bedroht wäre. Die Verschmutzung der öffentlichen Gewässer und die daraus entstehenden Gefahren für die Volkshygiene führten im vergangenen Jahr zur Gründung der „Vereinigung Deutscher Gewässerschutz“, die sich nicht nur wissenschaftlich mit den Fragen der qualitativen Wasserwirtschaft beschäftigt, sondern auch breiteste Aufklärung betreiben und die Forderung nach allgemeinem Gewässerschutz durch die Bevölkerung erheben will. Wie der Film nämlich zeigt, sind, dem Selbstreinigungsvermögen unserer Gewässer, auf dem die Kanalisation unserer Großstädte beruht, ganz bestimmte Grenzen gesetzt. Es gilt also nicht nur, die Zahl der Abwässerklärwerke zu vermehren, sondern auch der Verderbnis der Oberflächengewässer entgegenzuarbeiten, die die Qualität unseres Grundwassers so sehr gefährdet. Kehrichthaufen in Flüsse und Bäche zu kippen, ist ein ebenso sträflicher Leichtsinn wie das Anwachsenlassen von Müllbergen an der Peripherie der Städte. „Reines Wasser in Flüssen, Bächen und Seen!“ ist nicht mehr eine romantische Forderung von Naturschutzvereinen, sondern ein Alarmruf der Wissenschaft. E. S.