Der italienische Schriftsteller Giovanni Papini hat allen Verächtern der modernen Kunst eine große Freude bereitet. Er erfand ein Geständnis, das Picasso abgelegt haben soll. Nach Papinis neuem Buch Libro nero, „Schwarzes Buch“, lauteten Picassos Ausführungen so:

„Seit den Tagen des Kubismus habe ich Meister und Kritiker zufriedengestellt mit all den wechselvollen Sonderbarkeiten, die mir durch den Kopf gegangen sind. Und je weniger sie diese verstanden, um so mehr bewunderten sie mich. Dadurch bin ich mit allen den Narreteien, mit meinen Hirngespinsten und Arabesken berühmt geworden, und das sehr schnell. Ja, der Ruhm bedeutet für einen Maler Geschäft, Gewinn, Reichtum, Glück. Wenn ich aber mit mir allein bin, dann habe ich nicht den Mut, mich als Künstler im alten großen Sinne des Wortes zu betrachten. Große Maler, das waren Giotto, Tizian, Rembrandt und Goya. Ich bin nur ein öffentlicher Spaßmacher, der seine Zeit verstanden und, so gut er konnte, ausgenutzt hat. Es ist dies eine bittere Beichte, schmerzlicher als sie scheinen mag, aber sie hat es verdient, aufrichtig zu sein.“

Viele Zeitungen haben dies „Geständnis“ für wahr gehalten, haben diese Erfindung eines geistreichen Schriftstellers für bare Münze genommen. Der Spötter Picasso! Der frivole Picasso, der endlich die Karten auf den Tisch legt! Wer auf Papinis Spott hereinfiel, vergaß, welch schmerzlicher Zorn doch aus Picassos Fresko „Guernica“, auf der Pariser Weltausstellung 1937, sprach, in dem jeder Pinselstrich von Empörung über die Fliegerangriffe im spanischen Bürgerkrieg bebte. Doch wie skeptisch war er zugleich immer wieder gegenüber seinem eigenen Gefühl, wie oft hat er lebendig empfundene Darstellungen – eine Mutter etwa – so lang variiert, bis sie sich in eine geistreiche ornamentale Komposition verwandelten. Vielleicht hat diese Eigenschaft dem Schriftsteller Papini den Einfall für seinen Spaß gegeben –: die Narren peitsche zu schwingen unter Picassos Namen ...