DIE ZEIT

Große Politik im Spiegel der Kunst

Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg soll das innere Leben der deutschen Nation darstellen, dies, so sagte vor 100 Jahren sein Gründer, Freiherr von Aufseß, sei das Programm, das er der Sammlung mitgebe.

Krupp ist schuld

Die Industrie-Gewerkschaft Bergbau hat das Stichwort „Überfremdung“ gegeben, und prompt zeigt sich die gesamte Linkspresse in Deutschland, von der Saar-Grenze bis zur Oder-Neiße-Linie, darüber entsetzt, daß die Familie Krupp einen Teil ihres Kohlenbesitzes – nämlich die Kuxenmehrheit der Zeche „Verein.

Die politisierten Beamten

Von der Bedeutung, die im modernen Staat die Beamtenschaft hat, machen sich viele keine genügende Vorstellung. Wenn vom Staat die Rede ist, denkt man meistens an Bundesregierung und Bundestag.

Ecarte verboten

Die Hamburger Behörde für Wirtschaft und Verkehr hat angeordnet, daß innerhalb von zwölf Tagen sämtliche 21 öffentlichen Spielklubs in der Hansestadt, in denen Ecarté gespielt wird, zu schließen sind.

Haltet den Dieb

Der Leserbrief über das Hessische Verfassungsschutz-Amt und seinen Leiter, Oberregierungsrat Schmidt, der in unserer Zeitung erschienen ist, hat die „Kasseler Post“ veranlaßt, energisch auf Aufklärung durch das Hessische Innenministerium zu dringen.

Der Angriff gegen die Kirchen

Eine außerordentliche Synode der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, an der zweihundert Pfarrer aus der Sowjetzone teilnahmen, stellte fest, daß es heute einen Notstand der Kirche gebe, wie er seit 1945 in dieser Form nicht zu verzeichnen war.

ZEITSPIEGEL

Der im „Spiegel“ erschienene Artikel mit den Beschuldigungen gegen Bundeskanzler Adenauer und Ministerialdirektor Blankenhorn, der seinerzeit beschlagnahmt wurde, hat als Flugblatt seinen Weg in die Öffentlichkeit genommen.

Tagebuch der Zeit: Montanunion und Saarfrage

Am zehnten August trat in der Stadt Luxemburg die „Hohe Behörde“ der Montanunion zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Das Bulletin der Bundesregierung würdigte die Bedeutung dieses Ereignisses mit folgenden Worten: „Der Tag, an dem die Behörde des Schumanplanes ihre Tätigkeit aufnimmt, dürfte für die europäische Geschichte ähnlich bedeutsam sein wie für die deutsche Geschichte der Tag, an dem in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts der deutsche Zollverein verwirklicht wurde.

Hilde Benjamin

Zum zweiten Male innerhalb von drei Monaten hat ein Gericht unter dem Vorsitz von Hilde Benjamin ein Todesurteil gefällt. Die Ehrendoktorin der Humboldt-Universität zeigt, daß sie ihren Beinamen „Dierote Guillotine“ verdient.

Schatten über Den Haag

Seit fast acht Wochen ist Holland ohne Regierung. Nach dem Ausgang der Wahlen vom 25. Juni stand bereits fest, daß sich eine Regierungs-Neubildung nicht im Handumdrehen bewerkstelligen lasse.

Zu spät für Teheran?

Immer hatte man geglaubt, die Engländer seien die Sachverständigen im Vorderen Orient und wüßten besser als irgend jemand sonst, wie man mit orientalischen Völkern umgehen muß.

Mademoiselle Flandre

In New York gehörte es Ende Juli zum guten Ton, daß jedes einigermaßen respektable Reisebüro die Ankunft des auf seiner Jungfernfahrt nach New York befindlichen „schönsten und schnellsten nach dem Kriege in Frankreich gebauten Motorschiffes“ „Flandre“ der French Line zum Anlaß nahm, um in einem Inserat in der Presse das französische Schiff willkommen zu heißen.

Skandal im Itamarati

Die Welt hat sich daran gewöhnt, immer wieder Meldungen von der Rückberufung und Liquidierung unzuverlässiger Sowjetdiplomaten zu lesen, es sei denn, die inkriminierten Vertreter der Ostblockstaaten hätten es vorgezogen, in ihrem Gastland „die Freiheit zu wählen“ und um Asyl zu bitten.

Ein deutscher Künstler: Emil Nolde

Der Maler Emil Nolde wurde 85 Jahre alt. In seinem sehr aufschlußreichen Buch „Das eigene Leben“, das 1931 erschienen ist, schreibt er von sich selber: „Wer in Beeinflussung sich verliert, der ist nicht stark geboren .

Rom hat gesprochen

Wenn wir von „religiöser Kunst“ hören, so denken wir zunächst an die Themen, die sich ein Maler oder ein Bildhauer wählt, und dann vielleicht noch an die Gesinnung, die aus einem Werk abzulesen ist.

Der Hund und ich

Gegenstand zu werfen, etwa mit einem Ziegelstein und nach einem Wach- und Gästezerfleischhund, der dreißig Minuten lang durchbellt, und ihn gar zu treffen, ist verboten.

Ein Strom aus einer anderen Welt

Weit über eine Million Hörer hören in Westdeutschland jede Woche ein „Feature“. Aber was ein Feature nun genau ist, das wissen sicher die meisten von ihnen nicht, da doch die Autoren der Features selbst darüber die verschiedensten Auskünfte geben.

Großes Tamtam...

Autor: Seit einer Minuten unterwegs, vom Bahnhof direkt, in einen Tunnel hineim. Jetzt noch einmal ein Blick über Matadi, das in der Morgenluft unschuldig tut. Aber gestern Nachmittag war es die Hölle. Die Stadt kochte in ihrem Bergloch.

Der arme Niembsch

Als er geboren wurde – es ist jetzt hundertundfünfzig Jahre her –, saß sein Vater, Edler Niembsch von Strehlenau, zu Temesvar im Schuldturm.

Helden im abstrakten Raum

Wie im Vorjahr, so hat auch in diesem Jahr die Frage der Inszenierungsexperiment? bei den Bayreuther Festspielen lebhafte Diskussionen ausgelöst.

Der Brasilien-Saldo

Unerfreuliches Charakteristikum des Zahlungsverkehrs zwischen der Bundesrepublik und Brasilien ist, nach jüngster Formulierung der BdL, ein „übermäßig hoher deutscher Aktivsaldo mit ständig steigender Tendenz“.

Menschen, Werke und Gewinne

Wie zum Jahresschluß so häufen sich auch zur Jahresmitte Bilanzveröffentlichungen, Hauptversammlungen und Verwaltungsberichte deutscher Aktiengesellschaften.

Exportpreisspieglein an der Wand ...

In den Hundstagen hat man auf der 36. Außenhandelstagung der Bundes- und Länderwirtschaftsministerien in Hamburg den Versuchsballon eines „intereuropäischen“ Exportpreisspiegels steigen lassen – denn so war wohl der Vorschlag auf eine „gegenseitige Abstimmung der Exportförderungsmaßnahmen zwischen den EZU-Ländern“ gemeint.

Rationalisierung „gut im Bilde“

Um das Urteil vorwegzunehmen: der erste vom Rationalisierungs-Kuratorium der Deutschen Wirtschaft (RKW) herausgebrachte Film („Vernünftiger arbeiten – besser leben“) hält – summa summarum – mit jedem der insgesamt 700 Meter (21 Minuten Spieldauer), was man von ihm erhoffte.

Flaute überwunden?

Auch Österreich ist nicht von der allgemeinen Flaute in der Textilwirtschaft verschont geblieben. Seit Anfang d. J. sind 6000 Entlassungen und für 13 000 Arbeiter der Übergang zur Kurzarbeit nicht zu vermeiden gewesen.

Volksaktie für Belegschaften

In jüngster Zeit haben zwei repräsentative Äußerungen erneut darauf hingewiesen, daß der westdeutsche Aktien- und Kapitalmarkt voller Krankheitssymptome steckt.

Transitgeschäfte „gebündelt“

In Nr. 30 hatten, wir über den Entwurfeines Runderlasses über den Transithandel berichtet. Inzwischen ist vom Bundeswirtschaftsministerium und der Bank deutscher Länder vorgeschlagen worden, an Stelle des ursprünglich vorgesehenen Transithandelsfonds zuverlässigen und im Transithandel erfahrenen Firmen Sammelgenehmigungen zu erteilen, die zum Abschluß und zur Durchführung von Transitgeschäften berechtigen, ohne daß für jedes Einzelgeschäft eine besondere Genehmigung eingeholt zu werden braucht.

Klausel zum Schulden-Kompromiß

Man wird diese Worte, mit denen der deutsche Delegationschef Herr Abs nach Abschluß der Londoner Schuldenkonferenz das Ergebnis seiner Bemühungen kommentierte, solange nicht kritisch einzuschränken wagen, bis nicht – über das etwas magere Abschlußkommunique hinaus – auch von der Öffentlichkeit die Hintergründe einzusehen sind, vor die sich die mächtigen Silhouetten der Milliardenzahlen stellen.

Stahlwerk-Aktie als „Börsenschlager“

In der abgelaufenen Börsenwoche vermochte weder eine günstige noch eine ungünstige Nachricht aus dem Wirtschaftsleben irgendeinen Einfluß auf die gegenwärtige Tendenz zu erlangen.

Moderne Gedanken formen die Heimat

Die Feder stockt, wenn sie diese Überschrift niederschreibt. Sind es nicht häufig alte Gedanken über die uralten Probleme, die Ostfriesland seinen Menschen aufgibt? Nur die Methoden sind neu, mit denen die Gedanken um Verwirklichung ringen.

Strukturänderung der Wirtschaft

Zwischen grünen Deichen strömt die Ems durch das ostfriesische Land. Bei Hilkenborg wird sie durch eine technisch kühne Eisenbahnklappbrücke überquert.

In Wiesmoor: Torf schafft Brot

Mitten im südlichen Ostfriesland liegt der große Moorkomplex Wiesmoor – 10 000 ha groß. Das Moor, vor zwanzigtausend Jahren auf einer sandigen Niederung gewachsen, war zu Beginn unserer Zeitrechnung ein großer Sumpf und blieb bis in unsere Tage hinein eine öde Wüste.

Made in Ostfriesland...

So mancher, der diese Überschrift liest und dabei an die im deutschen Export recht werbekräftige Bezeichnung „Made in Germany“ denkt, wird fragen: „Was kann denn aus Ostfriesland kommen?“ Gewiß ist der Anteil dieses Bezirks an der Ausfuhr der Bundesrepublik im ganzen gesehen nicht sehr erheblich.

Solider Aufbau in Emden

Kaum jemand mochte dieser zertrümmerten Stadt noch eine Chance geben – so schien es bei Kriegsende. Und heute? Mit 6 Mill. t Umschlag nähert sich der Hafen seiner Vorkriegsleistung, und Emdens Werften haben seit 1948 der deutschen Schiffahrt 27 Neubauten mit einem Laderaum von rund 100 000 t zur Verfügung gestellt, die zur Aktivseite der deutschen Zahlungsbilanz inzwischen einen nicht geringen Beitrag leisteten.

Wasser – mal zuviel, mal zuwenig

Ein dreifach Antlitz trägt Ostfriesland: Marsch, Geest und Moor drückten ihm ihren Stempel auf. Trotz räumlicher Nähe und nicht sehr unterschiedlicher Höhenlage sind diese drei Landschaftsarten Ostfrieslands recht ungleiche Geschwister.

„Junger“ Mann

Wohl in keinem Gebiet Deutschlands finden so viele eiserne und diamantene Hochzeiten statt wie in Ostfriesland. Die Ostfriesen sind ein langlebiges Völkchen.

Sehr moderne Rinderzucht

Damit wir uns nicht mißverstehen: „modern“ bedeutet in diesem Fall nicht „neu“ schlechthin, sondern die fortschrittlichste, beste und erfolgreichste Zuchtmethode, aufbauend auf alten Erfahrungen und weiterentwickelt mit gesicherten Erkenntnissen der jüngsten wissenschaftlichen Forschung.

Bewährtes ostfriesisches Warmblut

Ostfrieslands Pferdezucht war von jeher auf Absatz eingestellt. Schon zu den Zeiten, da man weder feste Landstraßen noch Schienen kannte, hat das ostfriesische Pferd als das passendste Ausfuhrprodukt der heimischen Landwirtschaft – im Selbsttransport sozusagen – Alpen und Pyrenäen überschritten und im fernen Land Zeugnis für die Güte seiner Rasse abgelegt.

Leer, das Tor Ostfrieslands

Man kann sich Ostfriesland ohne diese lebendig-regsame Stadt mit dem guten Geist der Einigkeit nicht vorstellen, und was wäre Leer ohne Ostfriesland? Keine Stadt steht in einer lebendigeren Wechselwirkung mit dem ostfriesischen Lebens- und Wirtschaftsraum wie Leer.

Verkehrsachse Dortmund Emden

Preußens Regierung ging beim Bau des Dortmund-Ems-Kanals vor mehr als 50 Jahren von der Erkenntnis aus, daß der östliche Teil des Ruhrgebietes nur durch eine eigene frachtgünstige Wasserstraßenverbindung zur Nordseeküste mit dem Hafen Emden an ihrem Standort lebensfähig zu erhalten war.

Heilkräftiger Insel-Herbst

Man nennt sie die sieben ostfriesischen Inselschwestern, sie, die einer Kette gleich der grünen Küstenlandschaft Ostfrieslands vorgelagert sind: Borkum – Juist – Norderney – Bahrain – Langeoog – Spiekeroog – Wangerooge – Namen, mit denen Tausende und aber Tausende frohes Ferienleben, wiedergewonnene Spannkraft und Gesundung verbinden.

Saure Heringe und süßer Tee

Der "Slogan" – glaube ich – fehlt, das Schlagwort. Sonst wüßte man, daß Hering nicht gleich Hering ist. Der Herr Direktor meinte zwar, der Ausdruck "Logger-Hering" hätte sich durchgesetzt.

Hüter lebendigen Kulturerbes

Wenn in einer Stadt des Bundesgebiets eine Kunstausstellung stattfindet, wird sie, je nach Bedeutung, üblicherweise von einem Repräsentanten des Staates oder der Selbstverwaltung oder dem Vorsitzenden des Kunstvereins eröffnet.

Friesennamen - standesamtswürdig

Die Namen der Friesen endigen auf -a, könnte man mit übertreibender Verallgemeinerung sagen, wenn man in Stadt und Land Namensbildungen wie Tammena, Agena, Poppinga, Bojunga, Reemtsma in starker Häufung liest oder sich aus der Geschichte an die führenden Häuptlingsgeschlechter des Landes, die Cirksena, Ukena, Altena oder Manninga – übrigens stets auf der ersten Silbe zu betonen – erinnert.

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