Von Adrian Liddell Hart

Vom Februar des vorigen bis zum Januar dieses Jahres hat Adrian Liddell Hart, der jetzt dreißigjährige Sohn des bekannten englischen Militärschriftstellers Basil Liddell Hart, als Fremdenlegionär gedient Während des Krieges war er Marineleutnant gewesen und nach dem Kriege nacheinander Sekretär beim UNO-Sicherheitsrat, Beamter bei der Berliner Kontrollkommission und Parlamentsberichterstatter in London. Er trat freiwillig in die Fremdenlegion ein, mußte sie aber vorzeitig auf Pariser Weisung verlassen, nachdem er mehrere Monate in Indochina an Kämpfen teilgenommen hatte. Sein Erfahrungsbericht gibt ein ungeschminktes Bild von der Zusammensetzung der Legion, ihrer Kampfkraft, ihrem Korpsgeist und von dem Anteil, den die deutschen Legionäre an der Verteidigung der französischen und der britischen Besitzungen in Südostasien gehabt haben und haben. Nur wenige der Vorstellungen, die man sich in Europa über die Legion macht, halten vor den kritischen Maßstäben stand, die Liddell Hart anlegt. Nur eine Auffassung wird bestätigt: daß die Fremdenlegion heute ohne die Deutschen (die Liddell Hart auf 70 v. H. des Mannschaftsbestandes schätzt) nicht imstande wäre, ihre weltpolitisch vielleicht entscheidende Aufgabe zu erfüllen.

Freitag nachmittag arbeitete ich noch wie gewöhnlich im Unterhaus als Journalist. Am nächsten Montagmorgen war ich Rekrut in der Fremdenlegion. – Warum wurde ich Legionär? Nicht, weil ich der Polizei entkommen wollte. Sondern zum Teil, weil ich mit Politik und Abgeordneten nichts mehr zu tun haben mochte, aber hauptsächlich, weil ich auf der Suche war mach irgend etwas...

„Eintritt in die Legion ist nach strenger ärztlicher Untersuchung für nicht weniger als fünf Jahre möglich“, hatte die französische Botschaft in London geschrieben. Sie hatte mir auch gesagt, daß das wichtigste Rekrutendepot in Marseille sei. Eine weitere Information oder Unterstützung wurde nicht gegeben. Ich packte ganz einfach meine Koffer und reiste abends davon.

In Marseille stellte ich fest, daß das Depot in dem alten Fort St. Nicolas untergebracht ist, das sich auf einem Felsvorsprung am Eingang des Hafens erhebt. Ich kletterte einen Hügel hinauf und ging durch die großen eisernen Gittertore, vorbei an einer Schildwache im weißen Käppi der Fremdenlegion. Innerhalb der Tore führte ein enger Kasernenweg steil aufwärts. Diesen Weg sind 120 Jahre lang Männer aus der ganzen Welt gegangen, um in der Fremdenlegion ihren Namen zu verlieren.

Man brachte mich gleich zu einem Unteroffizier auf dem Hofe an der anderen Seite des Felsens. Es war einer jener hochgewachsenen, onden jungen Deutschen, die aussehen, als ob die gerade für ein nationalsozialistisches Propaandaphoto Modell stehen. Aber er sprach Engdi und schrieb meine Angaben so ruhig nieder, als ob er einen neuen Kunden in die Liste für ebensmittelempfang eintrüge.

„Ich muß noch einmal umkehren und mir meinen Koffer holen, den ich im Hotel gelassen habe“, sagte ich beiläufig. Dies war mein erster ’erstoß. „Wer einmal innerhalb des Forts ist“, erklärte mir der Unteroffizier, „hat nicht mehr die Freiheit, zu gehen, wohin er will. Aber auch niemand, nicht einmal die französische Polizei, kann ihn herausholen.“ – So, dann ist er de facto ein Gefangener, und natürlich gibt es auch kein Telefon, das er benutzen könnte.