Von unserem süddeutschen Korrespondenten

Rettet Bayern, aber stärkt mir den Fremdenverkehr! Das ist das Ergebnis der Rosenheimer Tagung der Bayernpartei, von der soeben der zweite Vizepräsident des Bayerischen Landtages, Dr. Jacob Fischbacher, zum Landesvorsitzenden gewählt wurde. Er nahm die Wahl "in Gottes Namen" an, ergriff die Bayernfahne mit dem weiß-blauen Rautenschild und dem in Gold gestickten bayerischen Wappen und verkündete, daß er sie "im Sinne eines Schmied von Kochel im Kampf für Bayerns Rechte" hochhalten werde.

Man kann schon manche Gemütswallung der Rosenheimer Tagung verstehen, wenn man aus dem Munde Jacob Fischbachers von dem Bundesterror erfährt, dem die Getreuen ausgesetzt sind. "Viele von uns in der Bayernpartei", sagte er, "haben während der ganzen Nazizeit trotz aller Verfolgungen keine solchen beruflichen und persönlichen Verfolgungen, Verleumdungen und Unbilden erleiden müssen" – wie, seit wann? Seit Begründung des Bonner Zentralismus.

Fischbacher selbst wurde immer wieder zu einem Opfer solcher Verfolgungen. Und nur deshalb, weil er gesagt hat, daß der intimere Verkehr zwischen einem jungen Preußen und einer jungen Bayerin "Bluatsschand" sei. Das haben die hochdeutsch-preußischen Zeitungen infamerweise mit "Blutschande" übersetzt, während der parteiamtliche Kommentar lautet: "Bluatsschand hoast a Mords-Sauerei." Mit dem juristischen Begriff "Blutschande" könne sie schon deshalb nichts zu tun haben weil diese nur bei naher Verwandtschaft möglich sei. Und eine solle zwischen Preußen und Bayern bestehen?

Man hätte den Eindruck gewinnen können, als stünde man dicht vor einem Marsch auf Bonn oder zum mindesten auf München, wo die Franken die Macht an sich gerissen haben. Weit gefehlt, und ganz im Gegenteil. Bayern aus seiner "zonalen Absperrung" herauszuführen, die Verkehrstarife günstiger zu gestalten, die Straßen auszubauen und überhaupt alles zu tun, was dem Bayern ermöglicht, wirklich er selbst zu bleiben, dadurch, daß ihn der "Preuße" finanziert – das war Hauptthema der Rosenheimer Tagung.

Wobei wir nicht übersehen wollen, daß es hier Tendenzen gibt, die, so skuril sie auch anmuten, gewisse Gefahren mit sich bringen könnten.

H. P. L.