Erlebnisse eines jungen Engländers in Afrika und Indochina – II. Siebenundfünfzig Nationen sprechen Legionesiseh

Von Adrian Liddell Hart

Ohne die Fremdenlegion sähe die Welt heute anders aus: ohne sie wäre Indochina überrannt. Dann aber würden die Rebellen in Malaya die Briten zurückdrängen, Singapore wäre vielleicht schon verloren ... Adrian Liddell Hart, der Sohn des Militärschriftstellers Liddell Hart, setzt heute seinen Bericht über die Legion fort.

"Deutsche hier heraus ... Italiener hier ... Spanier hier ..." Zuletzt blieben ein Jugoslawe und ich allein stehen. "Wer zum Teufel seid ihr denn?" Bald waren wir alle auf unseren Stuben sorgfältig durcheinandergemischt. Eins der Hauptziele der Ausbildung ist die Brechung nationaler Vorurteile. Von nun an mußten wir das Motto befolgen, das auf den Wänden aller Legionskantinen in der ganzen Welt steht: "Die Legion ist unser Vaterland."

Meine Rotte wurde zwei Feldwebeln übergeben, die – auch dies eine typische Gepflogenheit der Legion – so verschieden waren wie Feuer und Wasser. Der eine war ein pantherartiger Ungar von etwa 40 Jahren, der behauptete, in der SS gewesen zu sein. Wie die meisten Ungarn in der Legion war er zäh und draufgängerisch und trank riesige Mengen. Wenn ein Rekrut sich während einer Besichtigung rührte oder die Lippen bewegte, schlich er sich lächelnd an ihn heran und gab ihm auf jede Backe eine kräftige Ohrfeige. "Du Bauer!" sagte er dazu. Aus irgendeinem Grunde ist es in der Legion eine besonders schwere Beschimpfung, jemanden einen Bauern zu nennen. Trotzdem war unser Ungar sehr beliebt.

Der andere Unteroffizier war ein rosiger junger Deutscher, der weiße Handschuhe und eine Sonnenbrille trug. Er hatte in Heidelberg Philosophie studiert und las mit Vorliebe englische Lyrik. Weder rauchte er, noch trank er. "Humanität – das ist ein Witz", pflegte er in gelangweiltem Ton zu sagen. Aber zum Glück für uns sah seine Praxis anders, aus als seine Theorie. Und außerdem war er von unendlicher Geduld.

Französischer Text, deutsche Melodie