K. B. A., Oslo, im September

Die jetzt vorliegende Statistik für das erste Halbjahr 1952 erweckt auf den ersten Blick den Eindruck, daß die Lage des norwegischen Außenhandels verhältnismäßig günstig ist. Norwegen importierte vom 1. Januar bis zum 30. Juni 1952 für 2884 Mill. nkr und exportierte für 1994 Mill. Verglichen mit dem gleichen Vorjahreszeitraum, ist beim Import eine Steigerung von etwas mehr als 300 Mill. nkr und beim Export von 140 Mill. festzustellen. Gleichzeitig haben die Devisenreserven eine Höhe von 540 Mill. nkr erreicht. Hierbei handelt es sich um die Gesamtzahlen für das erste Halbjahr. Betrachtet man dagegen die Entwicklung von Monat zu Monat, so ergibt sich ein anderes Bild. Wenn sich die Entwicklung in der gleichen Richtung fortsetzt, wird 1952 ein sehr dunkles Jahr für Norwegen werden. Im Juni erreichte der Import die Rekordhöhe von 517 Mill. nkr, der Export dagegen zeigt. Seit März eine stark fallende Kurve. Während im März noch für 400 Mill. Waren ausgeführt wurden, wurden im Juni nur 272 Mill. erreicht. Dieser Monat war in der norwegischen Warenausfuhr der schlechteste seit eineinhalb Jahren. Die Ursache liegt in dem starken Rückgang des Exports von Erzeugnissen der Holzveredelungsindustrie, die normalerweise ein Drittel der gesamten Warenausfuhr des Landes aufbringt.

Für 1952 hatte man mit einem Exportaufkomtnen von insgesamt 1460 Mill. nkr (123 Mill. je Monat) für Papierzellulose und Holzschliff gerechnet. Es wurden auf diesem Abschnitt jedoch nur im März 147 Mill., im April 100 Mill. und im Mai 82 Mill. erreicht. Für Juni kann man höchstens mit 60 Mill. nkr rechnen. Da auf dem Markt dieser Erzeugnisse – mit Ausnahme von Zeitungsdruckpapier – Ruhe herrscht, dürfte für die weiteren sechs Monate kein höherer Gesamtexport als 300 Mill. nkr zu erwarten sein. Das Gesamtergebnis des Exports von Holzveredelungserzeugnissen dürfte demnach 1952 um 500 Mill. nkr hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Bei der Schiffahrt kann man mit Netto-Frachteinnahmen von 2200 Mill. nkr rechnen. Das bedeutet gegenüber 1951 eine Steigerung um 200 Mill. Man hatte jedoch 2400 Mill. nkr Frachteinnahmen veranschlagt, so daß hier das Aufkommen um 200 Mill. hinter den Erwartungen zurückbleiben dürfte. Hinzu kommt, daß auch bei Ölen und Fetten die Exportergebnisse nicht die ursprünglich erwartete Höhe erreichen werden. Auf Grund der jetzt angestellten Berechnungen muß man davon ausgehen, daß die Handelsbilanz für das laufende Jahr mit 750 bis 800 Mill. nkr passiv sein wird, während man bei der Aufstellung des Haushaltsplanes 120 Mill. angenommen hatte. Diese Differenz ist so groß, daß die norwegische Regierung wahrscheinlich ihr Importprogramm einer Revision unterziehen wird. Eine Begrenzung des Umfangs der liberalisierten Einfuhr (Freiliste) ist daher nicht ausgeschlossen-