E. A. G., Rotterdam, im September

Noch vor einem Jahr galt die Währungslage Hollands als äußerst unsicher. Die Handelsbilanz verschlechterte sich zusehends, und die Korea-Hausse wirkte sich verhängnisvoll aus. Der Ansturm der Käuferschaft auf lebenswichtige Rohstoffe führte in dem rohstoffarmen Holland zu einer Entwicklung der Tauschparität, die die Wirtschaft, mit ernster Sorge erfüllte, da die Wareneinfuhr in der Menge verstärkt werden mußte, ohne daß durch die Ausfuhr ein entsprechender Ausgleich herbeigeführt werden konnte. Infolge der Liberalisierung strömten die Waren praktisch ungehindert ins Land, während sich Westdeutschland als Hauptabnehmer holländischer Exportartikel genötigt sah, die Erteilung von Einfuhrlizenzen vorübergehend zu stoppen – eine Maßnahme, die zwar unvermeidlich war, für Holland aber eine bittere Pille bedeutete. Auch als der deutsch-holländische Handel wieder in Fluß kam, herrschte noch Ungewißheit über die weiteren Geschäftsmöglichkeiten, da die Neubelebung im Warenaustausch erst allmählich in den holländischen Außenhandelsziffern zum Ausdruck kam.

Die Schwächung der holländischen Zahlungsbilanz zeigte sich in einer, stetigen Abnahme der Währungsreserven der Niederländischen Bank und einer geradezu beunruhigenden Zunahme der holländischen Schulden bei der EZU. Holland besann sich in dieser kritischen Lage ernsthaft auf den Rückweg, obwohl es sich darüber durchaus im klaren war, daß seine Abwehrmaßnahmen eine allgemeine Liberalisierungskrise in der europäischen Wirtschaft auslösen würde. Der Umschwung auf den Warenmärkten im Verein mit den Maßnahmen zur inneren Sanierung, zu denen sich Holland entschloß, führten jedoch seit Beginn dieses Jahres zu merklichen Entspannungen in der holländischen Wirtschaft. Auffallend war die Besserung der holländischen Handelsbilanz, gerade in einer Zeit, die an sich für die holländische Ausfuhr nicht eben günstig zu sein pflegt: Das Handelsdefizit ist. im ersten Halbjahr 1952 gegenüber der Vergleichszeit des Vorjahres von 1099 Mill hfl auf 850 Mill. hfl zurückgegangen.

Auch in der Position Hollands gegenüber der EZU trat 1952 ein beachtlicher Umschwung ein. Die Überschüsse des ersten Halbjahres erreichten nahezu 1 Mrd. hfl, während sich in der Vergleichszeit 1951 von Monat zu Monat neue Defizite ergeben hatten.

Die Dollarlücke stellt auch in Holland immer noch ein schmerzliches Problem dar. Man bemüht sich, diese Lücke zu schließen und hat für die Ausfuhr in Länder außerhalb Europas, vor allem in Übersee, gewisse Steuererleichterungen geschaffen. Zwar bedeuten diese fiskalischen Zugeständnisse für die holländische Staatskasse eine Einbuße von jährlich 60 bis 70 Mill. hfl, doch rechnet man damit, daß dafür ein entsprechender Dollarstrom hereinkommen wird, der für den nötigen Ausgleich sorgt.