Die vorliegende amtliche Schätzung der diesjährigen kanadischen Weizenernte kommt zu einem Ergebnis von über 656 Mill. bushels. Es ist dies die größte Weizenernte, die die Kornkammer des Britischen Empires je erreicht hat; sie übertrifft die vorjährige Großernte von 552 Mill. bu um über 100 Mill. bu. Auch die Gerstenernte wird mit 295,3 Mill. bu einen neuen Rekord erreichen. Ebenso werden Großernten in Roggen und Leinsaat erwartet; nur die Haferernte wird etwas geringer als im vorigen Jahre ausfallen. In Kanada macht man sich Sorgen, daß die Lagerhäuser und Lagerschuppen nicht ausreichen, um die "goldene Flut" unterzubringen. Wohin man auch sieht, überall wird in diesem Jahre eine größere Ernte an Brotgetreide erwartet als das Vorjahr erbracht hat. Selbst die deutsche Weizenernte wird von sachverständiger Seite – allerdin\gs nicht von der Bauernschaft – günstiger beurteilt, als nach den bisherigen Nachrichten zu erwarten war. Man weist darauf hin, daß sogar in den großen Trockengebieten des Südens immer wieder größere und kleinere Oasen mit normalen Ernten vorhanden sind, während im Küstengebiet (Schleswig-Holstein und Weser-Ems) eine übernormale Ernte eingebracht wurde. Nach der neuesten Schätzung soll mit einer Gesamternte von 3,20 Mill. t Weizen gegen 2,95 Mill. t im vorigen Jahre und mit einer Roggenernte von 2,90 Mill. t gegen 3,03 Mill. t gerechnet werden können. Unseren Zusatzbedarf an Brotgetreide werden wir diesmal erfreulicherweise nicht ausschließlich aus dem Dollargebiet zu decken nötig haben, da in Europa, Vorderasien und Nordafrika sehr große Ernten eingefahren werden.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schätzt die Zucker Weltpro-

duktion für das am 31. August ablaufende Zuckerwirtschaftsjahr auf 36,3 Mill. t (Rohwert). Dieses Ergebnis liegt um rund 4 v. H. über der Weltproduktion 1950/51 und übersteigt die Zuckererzeugung der Vorkriegszeit von durchschnittlich 26,4 Mill. t um nicht weniger als 38 v. H. Damit ist Zucker, wie die FAO betont, das einzige Grundnahrungsmittel, dessen Erzeugung sich über die Bevölkerungszunahme der Welt hinaus, gesteigert hat. Statistisch stehen je Kopf der Weltbevölkerung im laufenden Jahr 20 v. H. mehr Zucker zur Verfügung als vor dem Kriege. Der Weltzuckerpreis ist in der letzten Zeit weiter zurückgegangen.

Das deutsche Kaffeegeschäft hat sich in letzter Zeit in sehr ruhigen Bahnen bewegt. über Transit Jugoslawien sind in beschränkten Mengen Guatemala- und Kolumbiakaffee und von Bremer Importeuren außerdem Venezuelakaffee gekauft worden. In Kürze steht eine neue Ausschreibung von Kolumbiakaffee In Höhe von 5,5 Mill. $ bevor, für die nur noch der zustimmende Beschluß des interministeriellen Einfuhrausschusses – welch ein umständliches Verfahren! – erforderlich ist. Der Betrag reicht bei der heutigen Preislage von Kolumbiakaffee zum Ankauf von ca. 60 000 Sack aus. – Die Kakao- Welternte 1952/53 wird auf rund 750 000 t geschätzt – eine Menge, die um rund 75 000 t über dem Durchschnitt der letzten, drei Vorkriegsjahre liegt. Trotz des voraussichtlichen Überangebots an Rohware haben sich die Weltmarktpreise in den beiden letzten Wochen erneut befestigt. Accra notiert jetzt an der New Yorker Börse loko 35,37 cts gegen 34,75 cts je lb Mitte des Monats und 38,37 cts vor Beginn der rückläufigen Preisbewegung Anfang Juli. Der deutsche Verbrauch an Rohkakao beläuft sich auf ca. 52 000 t jährlich gegen 72 000 t in den letzten Jahren vor dem Kriege. Die Schokoladenfabriken Westdeutschlands bereiten sich zur Zeit auf das Herbst- und Weihnachtsgeschäft vor. Der dafür errechnete Spitzenbedarf von rund 30 000 t Rohkakao konnte diesmal bei günstigen Einkaufsmöglichkeiten voll gedeckt werden. o 1