Mit der stetigen Aufwärtsbewegung am Aktienmarkt – und hier in erster Linie bei den Montanen – hat sich das Interesse des Publikums weiter verstärkt. Wenn auch die Zuneigung noch keineswegs stürmisch ist, so war man an den Bankschaltern am Monats-Ultimo doch recht befriedigt. Man ist offensichtlich bemüht, jede Übersteigerung peinlichst zu vermeiden, die letzten Endes doch Verluste im Gefolge haben muß. Da die Erfahrungen aus der letzten großen Hausse gelehrt haben, wie übel das Publikum derartige Rückschläge aufnimmt und wie lange die daraus resultierenden Verstimmungen anhalten, geht man jetzt in den Börsensälen recht behutsam vor. Das Ausland ist in der Ordererteilung gegenwärtig noch durch den hohen Sperrmarkkurs behindert, doch ist auch auf dieser Seite das Interesse für deutsche Wertpapiere unverkennbar.

Im Vordergrund des Geschäfts standen weiter die Montanpapiere. Bei ihnen sind die Gewinnchancen, die bei dem augenblicklichen Kursniveau zweifellos vorhanden’sind, am ehesten sichtbar. Ver. Stahl zogen um 9 1/2 Punkte auf 225 1/2 v. H. und Rhein. Stahl um 13 1/2 Punkte auf 176 v. H. an. Zum Wochenende wurde die Ausweitung des Geschäfts auf die Nebenmärkte immer ausgeprägter. Auch in Berlin, wo man zu Anfang der Woche noch recht vorsichtig disponierte, nahmen die Umsätze an Umfang zu. Bei Siemens, deren Stammaktien ihre Aufwärtsbewegung von 108 auf 115 1/2 v. H. fortsetzen konnte, rechnet man mit einer Dividendenerhöhung für das demnächst ablaufende Geschäftsjahr; in Düsseldorf hörte man gerüchtweise von einer Aussicht stehenden Kapitalerhöhung. AEG waren dagegen mit 35 v. H. kaum verändert. Am Kohlmarkt wurden Wintershall in Erwartung der Wiederaufnahme von Dividendenzahlungen (5 v. H. ?) bevorzugt.

Bei den ehemaligen Großbanken gab es nur kleinere Gewinne. Das Geschäft hat sich hier zwar nach der Bekanntgabe der Umstellungen belebt, doch nahm es keine sensationellen Formen an. Dazu waren die vermutlichen Umstellungsquoten auch schon zu lange vorher bekannt und in die Kurse bereits seit einiger Zeit einbezogen. Man ist übereinstimmend der Meinung, daß die Papiere zu den jetzigen Kursen noch "billig" sind, zumal dem neuen DM-Kurs noch ein zusätzlicher Aufschlag für den restlichen Wert der alten Aktien nach dem Umtausch hinzuzurechnen ist. Beachtenswert ist in diesem Zusammenhang der Kursanstieg bei den Aktien der Hamburger Vereinsbank (71–77 v. H.).

Am IG-Farbenmarkt gab es keine Überraschungen. Von kleineren Tagesschwankungen abgesehen, waren die Kurse gut gehalten. Die Hauptversammlungen der IG-Nachfolgegesellschaften werden demnächst weitere Klarheit über den Wert der IG-Farben-Aktien und damit sicherlich wieder mehr Leben in das Geschäft bringen. – Textilwerke werden vorsichtig gekauft, nachdem nunmehr auch die ärgsten Pessimisten davon überzeugt sind, daß hier die Flaute endgültig überwunden ist. Vernachlässigt blieben in dieser Gruppe die Papiere der Phrix-Werke, die erst auf ermäßigter Basis Aufnahme fanden. Das gleiche gilt für die Schifffahrtsaktien, die sich gerade in letzter Zeit auf Grund von Käufen aus dem Binnenlande etwas erholt hatten. Die Vorgänge, die zu der Neuordnung bei der Schliewen-Gruppe führten, haben jetzt auch einer breiteren Öffentlichkeit die Schwierigkeiten sichtbar gemacht, in die die Schiffahrt durch die gesunkenen Frachten hineingeraten ist.

Am Rentenmarkt ergaben sich kaum Veränderungen. Nach wie vor blieben Industrie-Obligationen gefragt, doch zumeist ohne Erfolg. Die 4 1/2 v. H. Harpener Bonds erholten sich in der abgelaufenen Woche von 110 auf 117 v. H.

–ndt

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