Von Paul Hühnerfeld

Ein Mann ist zu 150 DM Geldstrafe verurteilt worden, weil er sich an fremdem Eigentum vergriffen hat. Das fremde Eigentum war der Schäferhund seines Untermieters. Der Hund hatte den Hausbesitzer einige Male angebellt, und der Hausbesitzer sagte dazu vor Gericht: der Hund habe ihn beißen wollen, und er habe Angst gehabt.

Diese Angst hat ihn nicht gehindert, dem Schäferhund mit einem schlecht wirkenden Gift zu traktieren: das Tier starb unter furchtbaren Qualen, die fast eine Stunde andauerten. – Beim Tierschutzverein zuckte man resigniert die Achseln, als ich fragte, warum dieser Mann nur wegen Vergreifens an fremdem Eigentum, nicht aber wegen Tierquälerei bestraft würde: "Tierquälerei ist in diesem Falle das leichtere Vergehen: hätte man den Hausbesitzer deswegen bestraft, so wäre die Strafe noch geringer ausgefallen."

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Das "leichtere Vergehen" In Schleswig-Holstein wurden drei Mann wegen Verstoßes regen das Jagdgesetz verurteilt. Sie hatten jahrelang Seehunde gejagt. Veil sie keine Waffen besaßen, hatten sie die Tiere totgeknüppelt. Und auch in diesem Fall wurde ihr Vergehen an lebenden Tieren milder (also gar nicht beurteilt) als die Übertretung eines toten Gesetzes ...

Man muß sagen: viele Tiere in Deutschland haben während der Nazidiktatur, die den Menschen vergaß, geschützter gelebt als heute. In jenen Jahren gab es zum Beispiel nur solche behördlich erlaubten Rattengifte, die für Haustiere ungefährlich waren. Heute aber hat dieselbe pharmazeutische Firma, die das harmlose Gift herstellt, ein anderes billigeres Gift auf den Markt gebracht: Hunde und Katzen sterben daran unter großen Schmerzen, während die Hatte schmerzlos verendet. Und wo wird heute noch die eigentlich unter Nachbarn selbstverständliche Regel beachtet, nach der man in den umliegenden Häusern bekanntgeben muß, wenn Rattengift gelegt wird?

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