Robert steht ein Magnatendasein offen. "Schwöre uns deine Treue", sagt die Zigeunerin, "und ich schaffe dir sogar die Baroneß aus der Heimat an deine Seite". Aber Robert, der schon lange insgeheim die Gewohnheit des Geldverdienens verachtet hat, lehnt brüsk ab. Eine zweite Flucht – zurück nach Ratzeburg ...

Im Armenviertel von Madrid, als Diener bei einem in Fett und Trägheit unbeweglich gewordenen Trödler, muß er untertauchen, um sich das Reisegeld zu verdienen. Hier spürt Seelos, von Polizei begleitet, den politisch verdächtig Gewordenen auf. Der Versuch einer dritten Flucht endet unter den Schüssen spanischer Polizisten.

Ein seltsam konstruierter tragischer Lebenslauf – was will er besagen? Robert Killgans ist ein umgekehrter Wilhelm Meister oder Grüner Heinrich. Je mehr sein Geist reift, desto fragwürdiger wird seine Lebenssituation. Das Landratshaus in Ratzeburg, in dem der Aufstieg eines bürgerlichen Romanhelden geendet haben würde, schwebt in der zweiten Hälfte des Buches nur noch wie eine unerreichbare Fata Morgana am Horizont von Roberts Gedanken, und auch das Bild Constanzes, das er bis nach Madrid immer bei sich getragen hat, muß er dem Trödler in Zahlung geben. Aber er hat seinem Schwur die Treue gehalten. Selbst Seelos muß zugeben, daß Robert in seiner Ehrlichkeit ein gefährlicher Feind aller Extreme, aller Gewohnheiten und alles dessen ist, was die Fledermäuse nicht hören.

Ein Grundriß dieses bedeutenden Buches mußte gegeben werden. Er kann nicht erkennen lassen, mit welcher verhaltenen Kunst Burkhard Nadolny die milchig-gläserne Grundstimmung, die über die erste Fahrt nach Ratzeburg gebreitet ist, auch in den römischen, den marokkanischen und den Madrider Szenerien durchhält. Es geht ihm nicht um Farbigkeit des Milieus, sondern darum, daß das Schicksal eines unberatenen jungen Geistigen durchsichtig wird. Ingeborg Hartmann

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Georg Rosenstock: Manuel, Roman. (Bei Hans Dulk in Hamburg, 112 S., 4,80 DM.)

Der Verlag Hans Dulk, immer frisch auf Neuentdeckungen aus, präsentiert mutig das erste erzählende Buch eines als Arzt an der Westküste Irlands tätigen jungen deutschen Autors. Es spielt unter den Menschen der steinigen, klippenreichen, unwirtlichen Landschaft seiner Wahlheimat, die vielen aus Flahertys grandiosem Filmdokument "Die Männer von Aran" noch vor Augen stehen wird.

Manuel, ein Fischerssohn der keltischen Ansiedlung, ist der einzige, der sich schon von Kind auf gegen Armut und Not aufgelehnt hat. Er fügt sich nicht dumpf in die Zustände, er versucht für sich und sein Dorf Anschluß an die angelsächsische Kultur zu finden, muß aber erkennen, daß er die Älteren und Alten nicht mehr verpflanzen kann. Nur ein paar Junge fügen sich willig in die ungewohnte Ordnung und arbeiten sich mit ihm zu einer lebenswerten Existenz auf einer Farm durch, während die anderen in ihre Armut zurückfliehen. Drei unterschiedliche Frauen, ein Flittchen, eine phlegmatische Wirtstochter und ein Fischermädchen, beleben die dicht erzählte Handlung. –nn.