René Fülöp-Miller: Die die Welt bewegten. (Otto Müller Verlag, Salzburg, 530 S., Leinen 19,80 DM.)

"Die die Welt bewegten" sind Antonius, Augustinus, Franz von Assisi, Ignatius von Loyola und Therese von Avila. Fülöp-Miller schildert ihr Leben in einer Darstellung, die auch dem technisierten, in seinen tieferen Regionen nur allzuoft auf Pseudowerte abgedrängten Denken der Gegenwart mit Erfolg etwas von dem Geheimnis des Heiligenlebens zu vermitteln sucht. Die Einwände des zeitgenössischen Skeptikers werden vorweggenommen und entwertet unter Heranziehung von Ergebnissen der modernen Medizin und Psychologie. Die innere Wahrheit der Legende greift ja oft tiefer als wissenschaftliches Begreifen.

Fünf große Heilige werden in Fülöp-Millers Buch zu eindrucksvollen Zeugen für die Universalität des Christentums. Aber der Autor hat ausführliche Betrachtungen über "modernes Weltbild und Gottesglaube" vorangestellt, die in einer summarischen Verdammung der Aufklärung gipfeln. Er ist der Aufklärung gram, weil sie ihr Grundanliegen, von der fortschreitenden Erkenntnis der Naturgesetzlichkeit her eine vernünftige Weltordnung zu konstituieren, nicht hat verwirklichen können, und zieht eine gerade Linie von den respektlosen Philosophen des achtzehnten Jahrhunderts über seelenfeindlichen Positivismus, ethischen Relativismus, Materialismus, Kapitalismus zu den modernen Gewalttheorien des Faschismus und Bolschewismus. Die Begründer des Toleranzbegriffs erscheinen als die Schuldigen an den schaurigsten Auswirkungen der Intoleranz.

Von dem spanischen Philosophen Eugenio d’Ors – einem überzeugten katholischen Christen – stammt der Satz: "Die Chronologie mag besagen was sie will: das achtzehnte Jahrhundert war es, in dem die Menschheit der Vorgeschichte am fernsten war." Das gibt zu denken. Daß der im Namen der Vernunft gegen die Vorurteile geführte Kampf schließlich selbst zum Vorurteil wurde, war schon die Schuld der Söhne und Enkel. Das Ziel der Aufklärung, die Erschließung einer der richtig erkannten Natur des Menschen gemäßen idealen Gesellschaftsordnung, bleibt nach wie vor bestehen und verträgt sich durchaus mit einem aus den geschichtlich nicht mehr vertretbaren Bindungen an einzelne Interessengruppen gelösten christlichen Menschenbild. Daß Fülöp-Miller mit Genugtuung die Anzeichen vermerkt, in denen heute sich nach der Umwälzung des naturwissenschaftlichen Weltbildes auch ein neues Menschenbild ankündigt, so kennzeichnet diese Hoffnung ihn selbst als einen Erben der Aufklärung. Erich Köhler