Man kann wirklich nicht behaupten, daß Westdeutschlands Brauereien während der Nachkriegsjahre etwa auf der Sonnenseite der wirtschaftlichen Entwicklung gelegen haben. Unzweifelhaft ist aber auch hier ein Aufstieg zu verzeichnen, an dem jedoch die einzelnen Bundesgebiete sehr unter schiedlich beteiligt sind. Dabei schneiden aber keineswegs immer die "Großen" besser ab als die "Kleinen". Vielmehr gibt es sehr leistungsfähige mittlere und kleinere Brauereien, die ihre betriebseigenen wirtschaftlichen Vorzüge gegenüber den großen Brauereien durchaus durchzusetzen verstehen. Für 1950/51 hat zwar eine beachtliche Zahl von Gesellschaften ihre Dividendenzahlung wieder aufnehmen und andere Gesellschaften haben den Dividendensatz erhöhen können, aber noch sind über 60 v. H. der Aktienbrauereien dividendenlos; das Schwergewicht der Dividendenzahlungen liegt bei 3 bis 5 v. H.

Späte Bilanzen in München

Die besonderen Schwierigkeiten der Brauereien Münchens kommen schon darin zum Ausdruck, daß ihre Bilanzen sehr spät veröffentlicht worden sind. Ein Teil legt sogar jetzt erst für alle drei Geschäftsjahre nach der Währungsreform Geschäftsberichte vor. So auch "Löwenbräu". Erst das Geschäftsjahr 1949/50 brachte mit dem Obergang zu friedensmäßigem Stammwürzegehalt die wesentlichste Grundlage für die Gesundung des Braugewerbes. Die im gleichen Jahre erfolgte Biersteuerherabsetzung bedeutete dann einen weiteren Fortschritt in dieser Richtung. 1950/51 brachten weitere Absatzsteigerungen und als wesentlichsten Fortschritt eine Belebung des Exportes, der nun bereits die Friedenshöhe überschritten hat. Der Wiederaufbau erforderte sehr hohe Kapitalien; er wurde hauptsächlich durch Aufnahme fremder Kredite finanziert. So stieg die Bilanzsumme von 22,23 Mill. DM in der DM-Eröffnungsbilanz auf 34,95 Mill. DM am 30. September 1951. Die Verbindlichkeiten stiegen von 0,58 auf 12,33 Mill. DM, während das Eigenkapital durch Schrumpfung der Rücklagen von 21,10 auf 19,90 Mill. DM zurückging. Demgegenüber erhöhten sich die Rückstellungen von 0,39 auf 2,45 Mill. DM. Das ist im Vergleich zu anderen Gebieten und zu anderen Wirtschaftszweigen nicht sehr viel und läßt auf die begrenzte Ertragsfähigkeit schließen. Die Fremdmittel wurden hauptsächlich zur Erhöhung der Vorräte auf 6,68 (2,28), der Darlehen auf 2,55 (0,22) und der Lieferkredite auf 4,27 (0,04) Mill. DM verwendet. Zu einer Dividende hat es nicht gereicht, ebensowenig wie bei allen übrigen Brauereien Münchens.

Dividenden in Nürnberg

In Nürnberg lagen die Verhältnisse etwas günstiger, denn hier hat ein Teil der Gesellschaften inzwischen die Dividendenzahlung wieder aufnehmen können. Dabei waren allerdings keineswegs Gesellschaften mit alten bekannten Namen bevorzugt. Wer seine Kunden in der Nähe sitzen hatte und sich auf ein gut industrialisiertes Gebiet stützen konnte, der hatte es leichter. Das zeigt die Grüner Bräu AG., Fürth, die bereits 1948/49 als eine der ganz wenigen Brauereien eine 5prozentige Dividende zahlen und für 1950/51 den Satz auf 6 v. H. erhöhen konnte. Damit hatte man eine Grundlage, um sich besonders schnell an den Kapitalmarkt wenden zu können, und so hat die Gesellschaft vorsorglich bereits eine Kapitalerhöhung von 2,58 auf 3,50 Mill. DM beschlossen. Die Kreditaufnahme hält sich seit der DM-Eröffnungsbilanz auch in wesentlich engerem Rahmen. Die Verpflichtungen stiegen nur auf 0,65 (0,04) Mill. DM bei einem Eigenkapital von 3,07 (3,15) Mill. DM, während die Rückstellungen auf 1,68 (0,37) Mill. DM anwachsen. Die Vorräte wurden lediglich auf 1,07 (0,62) Mill. DM erhöht. Darlehen wurden mit 0,89 (0,11) Mill. DM gegeben, während Warenkredite bescheiden auf 0,58 (0,02) Mill. DM stiegen.

Beispielhaft für die Vorzüge eines zwar weniger umfangreichen aber dafür wirtschaftlich doch sehr gesunden Geschäftes ist die Entwicklung in Kulmbach. Natürlich kam hinzu, daß die unmittelbaren Kriegsschäden verhältnismäßig gering waren. Aber der Platz mußte doch seinen Versand nach auswärts wiederaufbauen. Er hat das mit recht gutem Erfolg gemacht. Die Dividendenzahlungen beweisen es. So verteilte die Kulmbacher Export-Brauerei "Mönchshof" AG. bereits für die beiden letzten Geschäftsjahre je 4 v. H. Allerdings hat die Gesellschaft zum Ausbau des Geschäftes sehr erhebliche Kredite in Anspruch nehmen müssen: seit der Währungsreform nicht weniger als 1,22 Mill. DM bei einem Eigenkapital von 1,01 (1,08) Mill. DM, während gleichzeitig Rückstellungen von 0,31 (0,01) Mill. DM angesammelt wurden. Entsprechend dem Versand- und Ausfuhrgeschäft sind die Darlehen und die Warenkredite kräftig gestiegen.

Der Wein macht Konkurrenz