Über das Problem der farbigen Besatzungskinder hielt der Journalist Erich Lissner, der ein solches Kind adoptiert hat, im Hamburger Amerika-Haus einen Vortrag.

Ach, was für ein reizendes Kind! Und so gesund! Das haben Sie wohl immer unter der Höhensonne?!"

"Höhensonne? Gar nicht! Ist alles echt, das ist ein Mulattenbübchen."

"Um Gottes willen! Wie entsetzlich! Und so etwas fahren Sie auch noch herum?!"

Es scheint, daß braune Haut künstlich gebräunt sein muß, soll sie reizend und nicht entsetzlich sein.

Zwei ließen sich jedenfalls durch diese und ähnliche Bemerkungen nicht stören, nämlich der kleine schokoladenfarbene Donatus, der im Kinderwagen saß, und seine Pflegemutter, die den Kinderwagen schob. Sie blieben fröhlich und zufrieden. Die Frau, weil bei ihr nicht an der Stelle des Herzens ein Vorurteil saß, und das Kind, weil es noch keine Ahnung hatte, daß Farben Weltanschauungsfragen sind.

1946 hörte die Frau des Journalisten Erich Lissner, daß im Krankenhaus ihres Städtchens ein Flüchtlingsmädchen ein Kind von einem farbigen Soldaten erwarte. Eine Art Katastrophe, besonders in der Kleinstadt. Wer würde für das Kind sorgen, in welche Lage würde die Mutter geraten, die gerade Aussicht auf Beschäftigung an einer Schule hatte!