Es ist sehr schön, wenn in unserer glaubenslosen Zeit bisweilen der Beweis erbracht wird, daß Sitte und Recht noch wirkende Mächte sind. Das ist jetzt wieder einmal geschehen: Die Schweiz hat sich in einem vor Tagen paraphierten Abkommen bereit erklärt, die seit Kriegsende blockierten deutschen Vermögenswerte freizugeben – gegen die Alliierten, die dieses kleine neutrale Land mit wirtschaftlichen Druckmitteln in dem berüchtigten Washingtoner Abkommen vom Jahre 1946 zwangen, sich zur Liquidierung der deutschen Geld- und Sachvermögen zu verpflichten. Je zur Hälfte sollten die Erlöse dieser anrüchigen Beute unter die Schweiz und die Sieger des zweiten Weltkrieges verteilt werden, wobei dann aber doch auf Drängen der rechtssinnigen Eidgenossen festgelegt wurde, daß die Eigentümer entschädigt werden sollten. Diese ursprünglich ohne und dann doch mit dem Wirt gemachte Rechnung konnte nicht aufgehen. Bei mancherlei auch anderen Schwierigkeiten, die sich der Durchführung dieser Praktik aus der unseligen Ära Morgenthau entgegensetzen, bedurfte es nur noch eines nochmaligen energischen Anstoßes einsichtiger Kreise, diese Auflage – und nicht die deutschen Vermögen – zu liquidieren. Wobei noch vermerkt werden muß, daß im Gegensatz zur Schweiz die Alliierten sich ihren "Verzicht" mit einem "Sündengeld" in Höhe etwa eines Drittels der in Frage stehenden Werte zu Lasten der Eigentümer bezahlen lassen. Aber das und auch die Tatsache, daß diese Vereinbarung verhandlungstechnisch in Zusammenhang mit einem zweiten Abkommen über die fällige Ablösung der Verrechnungsschulden des Reiches gegenüber der Schweiz aus den Jahren des Krieges gebracht worden ist, ändert nichts daran, daß hier aus gesundem Bürgersinn dem Gedanken der Unantastbarkeit des Eigentums zum Siege verholfen wurde und im Kampf um die Wiederherstellung der Rechte der deutschen Auslandseigentümer ein weithin sichtbares Beispiel gegeben ist. Kr.