Der Vorsitzende der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr beklagte sich kürzlich in einer Versammlung von Gewerkschaftsfunktionären über die deutsche Presse und sagte: "Die deutsche Presse ist nicht mehr das, was sie 1945 gewesen ist." Da man Herrn Kummernuß nicht zumuten kann, daß er einen ungünstigen Vergleich mit den letzten Schluchzern der NS-Presse um den Endsieg ziehen wollte, muß man annehmen, daß er angenehme Erinnerungen an diejenigen Organe hat, die im Herbst 1945 da und dort anfingen zu erscheinen. Die Erinnerung trügt aber. Würde Herr Kummernuß einen Blick in die damaligen Ausgaben der von ihm gerühmten Blätter tun, dann würden ihm die Augen übergehen. Denn was damals geleistet wurde, um bei Besatzungsmächten Liebkind zu werden und Deutsche aller Schattierungen zu denunzieren und zu verhöhnen, dürfte in der Geschichte des jetzt an den Fakultäten überall so eifrig studierten Zeitungswesens einzigartig sein. Wenn er sich also mit der deutschen Presse erst wieder unterhalten will, wenn sie so ist wie 1945, dann wird er hoffentlich keine Gelegenheit mehr zu Pressekonferenzen bekommen. A.