Frankfurts "sympathisches Klima" (Dr. Frhr. v. Maltzan), das zur fünftägigen Internationalen Herbstmesse rund 3400 Aussteller (39 v. H. Ausland) und 197 000 Besucher (59 000 bereits am ersten Tage), davon 17 800 ausländische Interessenten, aus 59 Ländern anlockte, hat zwar keine Sensation (woher auch?) geboren, wohl aber zu einer Festigung und maßvollen Belebung des Geschäfts verhelfen. Die über den Bedarf offensichtlich genau informierten Einkäufer und Anbieter wurden sich in einer Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens durchweg rasch und reibungslos über die vorwiegend mittleren und kleineren Aufträge einig. Zu situationsgerechten Preisen, über die man deshalb wenig klagte, mit denen kaum manipuliert wurde.

Die nüchtern-praktische Note dieser vom Massenauftrieb glücklicherweise verschonten Begegnung am Main erscheint symptomatisch für die gegenwärtige Stimmung. Nie zuvor hielten sich die Käufer so kurze Zeit auf: man kam, sah, disponierte (vor allem für die Wintersaison, wobei Nachdispositionen breiten Raum einnahmen) ohne langes Zögern und ging wieder. Der früher übliche längere Aufenthalt läßt sich sparen, zumal man weiß, was man will. Zahl und Wert der Orders, in vielen Branchen größer als auf der Frühjahrs-"Messe der Zuversicht", rechtfertigen das Urteil "zufriedenstellend" bis "recht gut". Schlagwort-Fanatiker haben Grund, von einer "Messe der Bestätigung" (der zitierten Zuversicht wie der ökonomischen Entwicklung in den letzten Monaten) zu sprechen. Das Tendenz-Barometer spielt sich klar und deutlich auf der Marke "Solidität" ein.

Von dem im allgemeinen also erfreulichen Resultat profitieren insbesondere die hauswirtschaftlichen Branchen, Textilien, Büro- und Geschäftsbedarf, Ladeneinrichtungen, Papier- und Spielwaren, teilweise auch Kunsthandwerk, Schmuck und Bijouterie. Musikinstrumente fanden, saisonmäßig bedingt, geringere Resonanz als im Frühjahr, Spiegelbild der Lage: hohe Qualitätsansprüche und deren Befriedigung; Wunsch nach kurzfristigen Lieferungen, fast generell erfüllbar; Nachfragekonzentration auf zeitlos-formschöne Gebrauchsware, die zumeist auf adäquate Angebote stieß; Spezialisierung vieler Werke auf einzelne Erzeugnisse zwecks absatzfördernder Rationalisierung (bravo!). Die 106 Berliner Aussteller schnitten ebenso gut ab wie die Ausländer; zahlreiche Vornotierungen ergänzten die voll abgesetzten Devisensonderkontingente (17 Mill. DM für gewerbliche, 12 Mill. für agrarische Produkte, Nahrungs- und Genußmittel zugunsten von 33 Staaten).

Der Verlauf der Exportkurve verleitet allerdings nicht zu Ovationen: der Trend weist trotz bewiesenen Interesses (Textilien buchen in qualitativer und modischer Hinsicht internationalen Sonderapplaus) leicht abwärts; Folge der Restriktionen, die namentlich die Konsumgüterausfuhr treffen und konkrete Förderungsmaßnahmen auch dafür dringend nahelegen. Die Anerkennung der Wettbewerbsfähigkeit bedeutet noch keine Deviseneinnahme.

In dem zweckmäßig-eleganten Gesamtrahmen fiel eine anonym gehaltene attraktive Leistungsschau des Verbandes Deutscher Streichgarnspinner (Düsseldorf) auf, die, ein vorzügliches Bild von der Vielseitigkeit dieser Industrie vermittelnd, am Beginn einer umfassenderen Aufklärungsarbeit darüber stand, daß Kamm- und Streichgarn keine Qualitätsbegriffe, sondern lediglich Ergebnis unterschiedlicher Verspinnungsverfahren sind. Die Schau bewies handgreiflich, daß die Endverbraucher zu Unrecht allein vom Kammgarn als Objekt ihrer Träume schwärmen, Auch dem Einzelhandel fällt die Aufgabe zu, hier fachlich-sachlich zu beraten. Die (sehr repräsentativ und geschmackvoll auftretenden) Stoffdrucker erwarten von ihm zudem, daß er die Ware besser "serviere", seine Dekorationen weiter vervollkommne ("mancher ist am schlechten Absatz selbst schuld"). Und dieses ist die Lehre von allem: es kommt mehr denn je auf solides Geschäftsgebahren, Preiswürdigkeit, Qualitätsleistung, Verkaufsgeschick, Exportförderung und volle Aktivierung aller kaufmännischen Tugenden an, die unsere Väter praktizierten. Frankfurts Herbstmesse begründete diesbezüglich einen wohltemperierten Optimismus. Helmut Benecke