Aus den Zahlen, die die Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung über das Ansteigen der Beschäftigtenzahl seit Juni 1948 veröffentlichte, hat die Öffentlichkeit einschließlich der Bundesregierung, falsche und zwar ungünstige Schlüsse gezogen. Die Zahlen weisen ein Ansteigen der Beschäftigten um 1 702 594 Personen, gleich 12,6 v. H. nach. Sie sind aufgebaut auf der Zusammenstellung von 58 Wirtschaftsgruppen, unter denen aber zwei sind, die eine andere, gegenläufige Entwicklung genommen haben. Bei der Landwirtschaft ist die Zahl der Beschäftigten im gleichen Zeitraum um 489 916 Personen zurückgegangen. Die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft hat aber trotzdem nicht abgenommen. Sie ist sogar um 20, v. H. gestiegen, so daß man also diese Wirtschaftsgruppe aus der herkömmlichen Schlußfolgerung (vermehrte Beschäftigung – vermehrte Produktionskraft) herauslassen muß. Genau so ist es bei den Besatzungsdienststellen. Wenn hier die Zahl der Beschäftigten um 195 615 abgenommen hat, so bedeutet das sicher erst recht keinen Rückgang, sondern eine Leistungssteigerung der deutschen Wirtschaft, der ja die Arbeit den Besatzungsdienststellen ganz überwiegend nur als Verbrauchern zukommt, während die dort Ausgeschiedenen jetzt zum größten Teil anderswo in den Produktionsprozeß eingegliedert sein dürften. Wenn man die Beschäftigtenzahlen nach den Angaben der Bundesanstalt nicht nur als reine Zahlenangaben betrachten will, wenn man, wie das vielfach geschehen ist, aus ihnen Schlüsse auf die Leistung der deutschen Wirtschaft in den vergangenen und Folgerungen für die kommenden Jahre ziehen will: dann kommt man zu der Feststellung, daß die Beschäftigtenzunahme bei der sachlich notwendigen Ausklammerung dieser beiden Wirtschaftsgruppen nicht 12,6, wie von der Bundesanstalt berechnet, sondern in Wirklichkeit sogar 20,8 v. H. beträgt.

Der Weg zu dem Idealziel der Vollbeschäftigung kann also demnach bei ungestörter Fortsetzung des bisherigen wirtschaftlichen Aufbaues gar nicht mehr so weit sein, wie er aus agitatorischen Gründen oft dargestellt wird, vor allem dann, wenn man die Zahl von 1,2 Millionen Arbeitslosen einmal nicht durch das Vergrößerungsglas betrachtet, wie das meist geschieht. Dann fallen nämlich von den 1,2 Millionen runde 450 000 weg, die gar nicht mehr "einsatzfähig" sind, zum Teil auch gar nicht auf eine Vermittlung warten, so daß das Verhältnis zwischen der Zunahme der Beschäftigten in den letzten Jahren und der verbliebenen Arbeitslosigkeit noch wesentlich günstiger aussieht. st