Informierung der Belegschaften

Es war ein wesentlicher Fehler der Vergangenheit, daß die Verantwortung zunehmend in der Spitze der einzelnen Unternehmungen zusammengedrängt wurde. Der Kohlenbergbau hat, als er nach dem Zusammenbruch Ende 1947 wieder eine erste Organisationsform erhielt, sich bereits auf einer umfangreichen Tagung im Jahre 1948 in grundlegenden Referaten mit der Stellung des Menschen im modernen großtechnischen Betrieb befaßt. Unter dem Titel "Bergbau und soziale Verantwortung" erschien eine Broschüre, die von der bergbaulichen Spitzenorganisation herausgegeben wurde. Darin erfolgten u. a. die folgenden Feststellungen: "Wir müssen die Gefahr der Vermassung und den nackten Materialismus ebenso überwinden, wie den Geist der fatalistischen Weltbetrachtung. Wir wollen nicht, daß der Bergmann verproletarisiert; er soll sich als freier Mensch fühlen, dessen Bewußtsein als Persönlichkeit und Stand schnellstens wiederherzustellen ist. Gleichzeitig muß eine Atmosphäre der Vertrauens in den Betrieben entwickelt werden."

Neue Sozialordnung

Bereits vor dem am 31. Dezember 1951 zum Gesetz erhobenen Mitbestimmungsrecht waren vom Kohlenbergbau "Richtlinien" für eine umfassende Sozialordnung entwickelt worden. Daraus und aus der späteren Modifikation geht hervor, daß der Bergbau die Anwendung der darin enthaltenen Grundsätze – nämlich Lösung der menschlichen Probleme, Hebung des Persönlichkeitsbewußtseins des einzelnen Beschäftigten und Anerkennung seiner Stellung als Mitarbeiter – als unerläßliche Ergänzung zur gesetzlichen Regelung des Mitbestimmungsrechts ansieht. Dabei bleibt das Kernziel, das aus der verpflichtenden Tradition heraus zu allen Zeiten im Bergbau vordringlich war, auch in Zukunft unverändert; nämlich, die einzelnen Unternehmungen rentabel zu gestalten und damit bei konjunkturellen Veränderungen geeignete Voraussetzungen zu schaffen, damit die Existenz der rund 500 000 Beschäftigten im Kohlenbergbau (und ihrer Familien) nach Möglichkeit gesichert ist.

Anfang 1952 informierte der Steinkohlenbergbau seine Belegschaften in einer bebilderten Schrift über die Notwendigkeit, die Mitbestimmung zu einer echten Partnerschaft zu entwickeln. Darin wurde festgestellt: "Das Verhältnis von Betriebsleitung und Belegschaft hat durch das Gesetz über die Mitbestimmung eine andere Grundlage erhalten. Der Bergbau geht mit der äußeren und inneren Umgestaltung neue Wege. In den entscheidenden Organen aller Gesellschaften sind jetzt Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichberechtigt vertreten. Damit ist der Grundstein für eine echte Partnerschaft gelegt, die Deutschland und der Welt nicht nur mehr Kohle, sondern auch eine neue Form des gemeinsamen Lebens und Wirkens in Freiheit und Wohlstand bringen soll. Den neuen Formen muß. jedoch noch Inhalt und Leben gegeben werden. Wir wollen als gleichberechtigte und freie Menschen zusammenarbeiten und uns nach echter Bergmannsart gegenseitig helfen."