Wir hörten:

"Schritt ins Weltall" hieß Ernst von Khuons SWF-Hörfolge über die Raumschiffahrt. Es hätte eine phantastische Reportage von einer Reise auf der Milchstraße sein können – gottlob, das war’s nicht, die Zukunftsmusik beschränkte sich auf den Rahmen: "13. August 1970. Sie hören einen Bericht von der Landung des Weltraumschiffes Nr. 1 ..." Das genügte aber, um den Hörer für die Wirklichkeit von heute zu interessieren, die dann originell eingeblendet wurde: "Bis das Raumschiff landet, hören Sie eine Archivaufnahme aus dem Jahre 1952 – Der SWF bringt: ‚Schritt ins Weltall‘." Nun folgt eine lebendige, einfallsreiche Darstellung der Probleme, mit denen sich zur Stunde der Sendung auch der Astronautische Kongreß in Stuttgart gerade beschäftigte: Konstruktion von Weltraumraketen, Leben auf fremden Planeten, Flug zum Mond... Damit man eineinhalb Stunden gefesselt zuhörte, hätte es kaum des "Lohnes" bedurft, am Ende die "Landung von Nr. 1" mitzuerleben. Und aufschlußreicher als eine erdichtete Reportage vom Flug klang der einzige Satz des Piloten: "Ein Grashalm – Erde – Erde ..."

Mag man uns am Ende dieses Jahrhunderts Genaueres von Reisen ins All berichten, noch hält die Erde uns und die Reportage fest. Sie scheint uns auch noch interessant genug: mit derselben Vorliebe, mit der unsere Väter Reisebeschreibungen lasen, hören wir sie heute. Und die Faszination, die in jenen Büchern von Photographien aus fernen Zonen ausgeht, hat sich in den Hörfolgen des Funks auf die Aufnahmen ("auf Band", wie man sagt) übertragen. Die Sender schicken Reporter in die weite Welt... Für den NWDR durchquerte Max H. Rehbein Brasilien, sein Funkhauskollege Rockmann besuchte Amerika, und für den SWF erlebte Rudolf Jacobs "Marokkanische Nächte".

Als "Experiment" wurde Rehbein angekündigt: er hatte Reiseandenken zu Hause auf seinem Schreibtisch und Reiseerlebnisse in seinem Kopf aufgebaut – nun kamen Gäste zu ihm, wir sollten Zeugen eines Stegreifgesprächs über Brasilien werden, es sollte das "Feature" originell bereichern. Aber welch ein schlechter Gastgeber war der Reporter: die Besucher mußten sich auf Lachen, auf staunende "Oh!" und "Ah!" beschränken, Rehbein erzählte alle nieder – mit der Hitze Brasiliens und dem abgehackten Tempo Rios... Die Aufnahmen, "akustische Notizen", fingen den Lärm der Straße (einen unvorstellbaren Lärm!), die Mundart deutscher Einwanderer ein; leider waren nachträglich Schlagzeilen-Kommentare aus dem Studio dazwischenkopiert. Aber das sollte wohl gerade das Besondere sein ... Gar nichts Besonderes wollte Rockmann mit seinen "unproblematischen Randnotizen" über den Norden Amerikas. Immerhin schilderte er Hübsches hübsch: "’s ischt allright!" sagte ihm eine Schwäbin im tiefsten New York – bis er dann mit Anekdötchen gar zu unproblematisch wurde. Doch war’s im ganzen gut gemachte Unterhaltung (mit blendenden Aufnahmen amerikanischer Kapellen).

Und dann war noch Jacobs nach Tanger gefahren, in eine der aufregendsten Ecken der Erde also. Bisher konnte man zu seinen Hörfolgen wohl immer sagen: interessant und weltkundig. Diesmal nun beschränkte er sich vornehmlich auf Gespräche mit Bardamen – nichts dagegen: es hat Reporter gegeben wie Kisch, die bei ebensolchen Gesprächen Weltpolitik recherchierten. Zu Jacobs sagte die Bardame: "Hier nix passieren ..." Es passierte wirklich nichts ...

Wir werden hören:

Donnerstag, 11. September, 22.15 von Bremen: Werner Bergengruen – als Lyriker und Romancier ist er ein Dichter der Besinnlichkeit. Er setzt die Tradition des "deutschen Dichters" – im guten Sinne des Wortes – überzeugend fort. Ihm, der in diesen Tagen sechzig Jahre alt wird, ist dieser Abend gewidmet.