Das schwere Unglück bei dem Automobil-Rennen auf dem Grenzland-Ring, bei dem dreizehn Menschen ihr Leben lassen mußten und über vierzig Personen zum Teil so schwer verletzt wurden, daß sie zeit ihres Lebens als Krüppel werden dahingehen müssen, hat die Frage nach Sinn und Zweck motorsportlicher Prüfungen erneut aufgeworfen. Natürlich wird kein vernünftiger Mensch den Wert derartiger Höchstleistungsproben für die technische Entwicklung bestreiten. Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte haben zur Genüge bewiesen, daß härteste Prüfungen für das Material auf Rennstrecken unseren Konstrukteuren und Fabrikanten immer neue wertvolle Anregungen für ihre Arbeit gegeben haben.

Was man aber endlich verlangen muß, ist, daß in Zukunft diese Rennen nur noch auf reinen Rennstrecken und nicht mehr auf Land- oder Stadtstraßen durchgeführt werden, die einfach keine genügende Sicherheit dafür bieten können, daß nicht das Leben ahnungsloser Zuschauer gefährdet wird. Es ist erfreulich, daß der Verkehrsminister von Nordrhein-Westfalen, Dr. Sträter, diese Konsequenz auch sofort aus dem Unglücksrennen auf dem Grenzland-Ring gezogen hat und eine ernsthafte Prüfung dieser Frage mit den zuständigen sportlichen Stellen in Aussicht stellte.

Eigentlich wäre das die Sache des Bundesverkehrsministers gewesen, der ja auch Zeuge der Katastrophe war. Dr. Hans Christoph Seebohm sprach aber, angesichts der dreizehn Toten und vierundzwangig Verletzten, lediglich von einem "Dienst an der Technik" und vom "Ethos" des Rennfahrers, "der unter dem Einsatz seines Lebens nicht nur dem Wohle seiner Mitmenschen dient, sondern als Mensch die Maschine und damit den Fortschritt beherrscht, mit seinem Kopfe das Material meistert und lenkt – und das hebt diesen Menschen über sich selbst hinaus".

Bei der Siegerehrung am Abend, die von den Veranstaltern mit den gemütvollen Worten eingeleitet wurde: "Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, daß der Fahrer nur leicht verletzt wurde. Leider aber sind bei diesem Unglück einige Tote und Verletzte zu beklagen", äußerte der Minister folgende Sätze: "Sollten wir den Kampf abbrechen? Ich sage, es wäre falsch gewesen, auch wenn gewisse polizeiliche Erwägungen das ratsam erscheinen ließen. Die Menschen sollten sich bewußt werden, daß für ein hohes Ziel auch Opfer gebracht werden müssen. Ich hoffe, daß dieser Tag auch in Ihrem Gedächtnis bleiben wird als leuchtender Tag des Einsatzes, des Opfers und der Leistungen..." Aber wo, so fragen wir uns, sind bei dieser Katastrophe, die vermeidlich war, das hohe Ziel, Einsatz, Opfer und Leistungen? Das einzige, was von diesem Tage blieb, sind dreizehn tote und fast fünfzig schwerverletzte harmlose Zuschauer.

Die Forderung, Schluß mit allen Rennveranstaltungen zu machen, die nicht auf eigenen Rennstrecken durchgeführt werden, wurde ja schon seit Jahren wiederholt gestellt. Angesichts der Toten und Schwerverletzten vom Grenzland-Ring, vom Hamburger Stadtparkrennen, denen unser aller Mitgefühl gilt und bestürzender Unglücksfälle im Auslande, muß man es dem Minister Dr. Sträter danken, daß er als einziger sofort das einzig vernünftige Wort fand: Rennen dürfen nur noch auf Rennstrecken gefahren werden. Walther F. Kleffel

*

Zwei Meter in der Sekunde steigt "Bebé-Jodel" – muß es in dem Beitrag von Edmond Lutrand "Mit dem Volkswagenmotor über Paris" in unserer letzten Ausgabe richtig heißen. Wir bitten um Nachsicht.