In Mexiko City versammeln sich die Finanz- und Wirtschaftsminister, Notenbankpräsidenten und Währungsexperten von 54 Ländern zur Tagung des Weltwährungsfonds, des International Monetary Fund (IMF) und der International Bank for Reconstruction and Development (Weltbank), an der erstmalig die Delegationen der Bundesrepublik unter Professor Erhard (IMF) und Geheimrat Vocke (Weltbank) teilnehmen. Seit etwa einem Jahr sind Bestrebungen im Gange, die Statuten und Funktionen der beiden Bretton-Woods-Institute den Erfordernissen der heutigen Zeit anzupassen.

Auf der Tagung im März sind erste Maßnahmen zur Mobilisierung der Goldeinlagen der Mitgliedsländer in den IMF getroffen worden, wonach nun die Einlagen in voller Höhe (statt nur zu 25 v. H.) belehnt und zur Stabilisierung der eigenen Währung herangezogen werden können. Ferner wurde die Zusammenarbeit zwischen dem IMF und der EZU hergestellt, die ihren Ausdruck in der Refinanzierung belgischer EZU-Guthaben mit 50 Mill. Dollar fand und nun zur Einbeziehung Lateinamerikas in das EZU-System führen könnte.

Die allseitige Kritik an der Untätigkeit des Währungsfonds – der zum Beispiel im Geschäftsjahr 1950/51 nur eine einzige Transaktion durchgeführt hatte und in fünf Jahren sein Kapital nur zu 11 v. H. umsetzte – wird jetzt zu weiteren Schritten in Richtung auf stärkeren Einsatz der IMF-Reserven in Höhe von 3 Mrd. Dollar (in Gold und Dollars) und von anderen Währungen im Werte von 8 Mrd. Dollar führen. Vor allem dürften mehr Anleihen (auf 3 bis 5 Jahre) für Verrechnungssysteme bereitgestellt werden, wie sie die EZU, aber auch der Pfund-Block, darstellen. Nach den Statuten blieb dem Währungsfonds nur die Stellung von Diagnosen und von wirtschafts- oder währungspolitischen Empfehlungen an inflationistische Mitgliedsländer (das sind 44 von 54) übrig, denn er soll lediglich "Übergangsprobleme" bei der Herstellung der Konvertierbarkeit lösen helfen, während weder sein Kapital noch seine Befugnisse zur Sanierung zerrütteter Wirtschaftssysteme ausreichen. Die Voraussetzungen für seine Funktion sind erst jetzt durch die Zusammenarbeit mit übernationalen Wirtschaftsorganisationen und mit solchen Volkswirtschaften gegeben, die sich auf die Weltwirtschaft hin orientieren, also die autonome Defizitwirtschaft aufgeben wollen. Leider zählen weder die USA, noch Frankreich oder die meisten lateinamerikanischen Staaten zu diesen "Internationalisten".

Die Erfordernisse der Weltwirtschaft bestehen einmal in der Schaffung (und Abstimmung) produktions- und handelssteigender Maßnahmen, und außerdem – eben dafür – in der Herstellung echter Geldwerte, wobei die Maßstäbe des "Goldwertes" und der "Kaufkraft" an die Währung gelegt werden. Bisher hat man die einzelnen Bestandteile der Weltwirtschaft gesondert behandelt, und zwar unter Voranstellung der Warenseite (zum Beispiel im Marshall-Plan, mit dem Zollabkommen des GATT, in der Liberalisierung) und unter Vernachlässigung der Gold-, Währungskurs- und Kaufkraft-Fragen. Seit Errichtung der EZU und nach Überwindung des Warenmangels gewinnt nun – eben wegen der Fortdauer inflationistischer Maßnahmen in vielen Ländern – die Geldseite immer stärkeres Gewicht, und damit erhöht sich auch die potentielle Bedeutung des Währungsfonds. Da der "Wert" von Währungen durch den IMF in Gold ausgedrückt wird (und 1942 auf eine schon damals willkürliche Parität fixiert wurde), ergeben sich aus der Steigerung der Produktionskosten für Gold weitreichende Folgen, bei einer Erhöhung des Goldpreises (um etwa 20 v. H.), wie er von den Produzentenländern und von einer großen Zahl von Staaten gewünscht wird, die ihren allzu kleinen Goldschatz gern höher bewerten möchten – vor allem in Relation zum Dollar. Nun hat sich die "Kaufkraft" des Dollars seit Bretton Woods um etwa 50 v. H. vermindert. Da aber die "Verbilligung des Dollars" und ebenso die (korrespondierende) allgemeine "Verteuerung des Goldes" große Schwierigkeiten auslösen, hat diese Korrektur kaum Aussicht auf Erfolg. Vielmehr gilt die Angleichung der Währungskurse an den Dollar (oder an die Kaufkraftparitäten) als die heute dringlichere Aufgabe: bei einem "marktgerechten" Wechselkurs ist ja bereits die Fähigkeit zur freien Umwechslung der Währung erreicht!

Aus der Verfälschung von Preisen, Kaufkraftparitäten und Wechselkursen durch eine "autonome" Defizitwirtschaft ergibt sich die sogenannte Dollarlücke, die (fälschlich als selbständiges Phänomen angesehen) nun wieder der Konvertierbarkeit (zum Beispiel des Pfund Sterlings) entgegensteht. Grundsätzlich beruht die "Dollarlücke" auf den unechten Wechselkursen von Rohstoffländern (wodurch deren "weiche" Produkte im Verhältnis zur Dollarkaufkraft verteuert werden), ferner auf der Monopolstellung der Dollarländer in manchen Produkten und schließlich auf dem Protektionismus der USA. So erfordert die Behebung der Pfundkrise (und sinngemäß auch der Krise anderer Währungen) eine Reihe von weltwirtschaftlichen Vereinbarungen: eine langfristige USA-Einkaufsplanung zu Rahmenpreisen für die wichtigsten Grundstoffe; die Schaffung von Voraussetzungen für Dollar-Investitionen großen Umfange. von beiden Seiten aus; USA-Import-Erleichterungen (Zollsenkung); Anleihen des IMF oder der USA selbst zur Erleichterung des internationalen Zahlungsverkehrs. Erst aus dem Zusammenwirken aller Faktoren ergibt sich der Erfolg, so daß also die USA auch erst ihre autonome Wirtschafts- und Währungspolitik zugunsten einer effektiven Weltwirtschaft abwandeln muß, damit eine "freie" Welt- und Währungswirtschaft erstehe.

So kommen auf den Tagungen des Währungsfonds Wenigstens die Sünden und ihre Urheber ans Licht; aber es scheint, daß dort nun zunehmend auch Entschlüsse reifen, die eine Politik des "guten Geldes" fördern, und die der Organisierung eines internationalen Kapital- und eines freien Devisenmarktes allmählich zum Durchbruch verhelfen. EOG.