Protest von innen

Der Betriebsrat der Firma Krupp hat sich in einem Schreiben an das Organ des Deutschen Gewerkschaftsbundes, die Zeitung "Welt der Arbeit", gegen die Benennung Alfried Krupps als Kriegsverbrecher verwahrt. In dem Schreiben heißt es: "Wir müssen darauf dringen, daß solche Äußerungen in der Gewerkschaftspresse unterbleiben, da die Belegschaft der Firma Krupp nicht einsehen kann, warum diese Dinge immer wieder aufgewühlt werden-, die in ihren Auswirkungen doch schließlich die Belegschaft treffen. Alle Maßnahmen der Alliierten, die in der Zeit nach 1945 gegen die Firma Krupp gerichtet waren, haben hauptsächlich die Belegschaft getroffen, die Belastungen zu tragen hatte, wie keine andere irgendeines Werkes, das ebenfalls Rüstungsaufträge durchgeführt hat."

Nemini crede

Durch den Eisernen Vorhang kommt die Nachricht, daß der ungarische Gelehrte und Politiker Professor Gyula Kornis in der Zwangsverschickung durch Selbstmord geendet hat. In seinen letzten Lebenstagen hielt er Vorträge über die Philosophie der Stoiker, die der Erniedrigung und der Ohnmacht den Tod vorzogen. Im Juni vorigen Jahres wurde Kornis, der als Präsident des Parlaments die rechtsradikale Regierung Imrédi gestürzt hatte und nach 1945 Präsident der Akademie der Wissenschaften und Rektor der Budapester Universität gewesen war, zusammen mit anderen Intellektuellen in der ersten Deportationswelle nach Tiszadob an der Theiß zwangsverschickt. Viele Bauern kamen zu ihm und brachten ihm Geschenke. Kornis vermied politische bespräche. "Nemini crede" – "Schenk niemand Vertrauen" – rief er seinen Leidensgenossen zu.

Mordversuch durch Suggestion

Bundesrichter Harold R. Medina, der seinerzeit die elf führenden Kommunisten der USA nach einem monatelangen Prozeß zu Gefängnisstrafen verurteilt hatte, berichtete jetzt vor der Juristenvereinigung in Chattanooga, daß die Anhänger der verurteilten Kommunistenführer versucht hätten, ihn durch Suggestion zum Selbstmord zu treiben. Es begann damit, daß etwa einen Monat nach dem Tode des Verteidigungsministers James Forrestal, der sich im Krankenhaus aus einem Fenster gestürzt hatte, kommunistische Gruppen vor dem Gerichtsgebäude mit Plakaten demonstrierten, die die Aufschrift trugen: "Medina wird ebenso wie Forrestal aus dem Fenster springen." Danach erhielt er täglich eine Flut von anonymen Briefen und Telefonanrufen mit der Aufforderung, aus dem Fenster zu springen. Die suggestive Wirkung auf Medina war nach seinen eigenen Worten so stark, daß er nicht mehr wagte, an ein Fenster zu treten. Offenbar hatten die Kommunisten – so schloß Medina seinen Bericht, erfahren, daß er seit seiner Kindheit Furcht davor hatte, aus einem hohen Fenster in die Tiefe zu blicken.