Die Preisveränderungen an den Warenbörsen der Welt hielten sich in der vergangenen Woche wieder in engsten Grenzen. Von 27 an den Börsen notierten Lebensmitteln und Rohstoffen blieben 12 im Preise unverändert, 10 hatten kleinere Rückgänge aufzuweisen und 5 ebenso kleine Preiserhöhungen. Zu den wichtigsten Preisveränderungen gehört zweifellos der Rückgang der Zuckernotierung an der New Yorker Börse von 4,05 auf 4 cts je lb, auf einen Stand also, der seit Jahren nicht zu verzeichnen war und um 20 Punkte unter dem niedrigsten Vor-Korea-Preis liegt. Kautschuk wird jetzt in London mit 23 d je lb notiert und steht damit ebenfalls unter Vor-Korea-Niveau, ebenso Zink, Jute, Wolle, Häute und Felle, leichte Schweine (in Chikago) und Kopra.

Unsere Mitteilung in der Ausgabe vom 4. September, daß die westdeutsche Weizen-und Roggenernte trotz der vorliegenden äußerst pessimistischen amtlichen und privaten Nachrichten über große Dürreschäden in verschiedenen Teilen des Bundesgebietes größer ausgefallen sei als die vorjährige Ernte, hat inzwischen ihre Bestätigung von höchster amtlicher Stelle, dem Bundes-Ernährungsministerium, gefunden, dessen nunmehrige Ernteschätzung sogar noch höher ausfällt als die von uns wiedergegebene Berechnung. Der Gesamtertrag wird vom Ministerium mit 6,53 Mill. t angegeben. Bonn berechnet daraus einen Überschuß gegenüber dem vorigen Jahre von 100 000 t.

Demgegenüber wird jetzt die Kartoffelernte des Bundesgebietes amtlich auf nur etwa 20 Mill. t geschätzt, während im August noch von einer Ernte von 26,5 Mill. t geredet wurde. Die Zuckerrübenernte wird von der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker ebenfalls recht ungünstig beurteilt. In beiden Fällen gilt das gleiche, was wir in der vorigen Ausgabe von der Weizenernte behaupteten, nämlich, daß von der Dürre keineswegs der gesamte Süden und Westen betroffen worden ist, sondern selbst in den größten Trockengebieten weite Strecken mit normalem Wachstum vorhanden sind. Bei den Kartoffeln besteht allerdings die Gefahr, daß allzu viele in den Schweineställen verfüttert werden und vielleicht auch in die Brennereien wandern. Das Bundes-Ernährungsministerium fügt seiner Kartoffelernteschätzung hinzu, daß die Ernte von 20 Mill. t genau dem Jahresdurchschnittsbedarf der Bundesrepublik entspricht, daß aber mit einem Ansteigen der Kartoffelpreise nicht gerechnet werde und die in der Öffentlichkeit geäußerten Besorgnisse wegen der Preisgestaltung somit unbegründet seien.

Von den verschiedensten Seiten wird gegenwärtig wieder gegen die hohen Kaffee-und Teesteuern Sturm gelaufen. Nachdem der Bundestagsausschuß für Finanz-und Steuerfragen sich im Juli für eine Senkung der beiden Steuern auf Je 5 DM pro kg ausgesprochen hatte, sind von den Kaffee- und Teehandelsverbänden neue Anträge auf Ermäßigung eingebracht worden, der Bund der Steuerzeiten hat sich sogar mehrfach für die Senkung dieser Steuern eingesetzt, und in den letzten Tagen ist nun auch der Nahrungsmittelgroßhandelsverband mit einer gleichen Forderung gefolgt, Alle Antragsteller vertreten die Meinung, daß der Staatssäckel durch eine Senkung der prohibitiven Steuersätze für Kaffee und Tee keinerlei Einbuße erleiden würde, da sich der Verbrauch dann schnell auf ein Mehrfaches steigern und die Steuereinnahmen infolgedessen eher zu- als abnehnen würden. Aber auch diese neuen Vorstöße werden voraussichtlich genau so erfolglos bleiben wie alle bisherigen Bemühungen um eine Herabsetzung dieser verbrauchshindernlen Steuern, von welcher Seite sie auch ausgingen.

Auf den amerikanischen Öl - und Fettmärkten haben die Preise in der vergangenen Woche leicht mchgegeben; eine Ausnahme bildete nur Leinsaatöl, das von 16,85 cts auf 17,35 cts je lb anstieg. Die Erklärung les Landwirtschafts-Departments, daß die Gesamtproduktion von Ölen und Fetten in den USA im laufenden Jahr rund 700 Mill. lb geringer ausfallen werde als in der vergangenen Saison, hat wenig Eindruck auf den Markt gemacht, da ein beträchtlicher Überhang aus der vorjährigen Erzeugung vorhanden ist und in der übrigen Welt fast überall höhere Erträge eingebracht worden sind oder bevorstehen. ol