Und wie wird es weitergehen? Die Franzosen müssen zugeben, daß es unmöglich wäre, die Legion als kampfkräftige Truppe zu erhalten ohne einen starken Stamm von Deutschen. Obwohl die halbamtliche Ziffer, die ich vor achtzehn Monaten einsehen konnte, die Deutschen auf 40 v. H. des Gesamtbestandes der Legion schätzte, ist der tatsächliche Anteil der Deutschen heute zweifellos weit größer. Zusammen mit Saarländern, Volksdeutschen, Österreichern, Sudetendeutschen und anderen Deutschsprechenden und in der deutschen Armee Ausgebildeten beläuft er sich vermutlich auf 70 v. H., wenn nicht höher. Werden die Deutschen auch weiterhin zur Fremdenlegion kommen?

Ich persönlich glaube nicht, daß die Einziehung für den deutschen Beitrag zur Europa-Armee den deutschen Zustrom zur Fremdenlegion gleichsam automatisch zum Halten bringen würde. Denn es ist nur eine Halbwahrheit, was viele Propagandisten sagen: daß die Legion voll von Deutschen sei, die keine Arbeit finden können oder die Kämpfen über alles lieben. Ich habe solche in der Legion getroffen, die Kämpfen gar nicht liebten und die sehr wohl imstande waren, anderswo Arbeit zu finden – irgendwelche Arbeit! Tatsächlich ist ja auch die Situation gar nicht so neu. Hundertundzwanzig Jahre lang hat die Legion immer einen großen Prozentsatz von Deutschen gehabt (wenngleich nicht so viel wie heute), einerlei ob Deutschland selbst nun reich war oder arm, militaristisch oder pazifistisch, nationalistisch oder internationalistisch. Es stimmt ja nicht, wenn man behauptet, es gäbe in Deutschland mehr Militaristen oder gar mehr Verbrecher als anderswo. Der Grund für den starken Zustrom zur Legion liegt vielmehr darin, daß es in Deutschland mehr Abenteurer, mehr "Kosmopoliten" gibt. Der Hauptzweck der Europa-Armee im allgemeinen und des deutschen Kontingents im besonderen ist der, in Deutschland zu bleiben, was immer auch geschieht. Die größte Anziehungskraft der Legion liegt aber darin, daß sie eine Möglichkeit bietet, für längere Zeit aus Deutschland herauszukommen. Ihre Anziehungskraft wird also eher stärker als schwächer werden, wenn die junge deutsche Generation der allgemeinen Wehrpflicht unterworfen wird. Und wenn auch der Partisanenkrieg in Indochina lebensgefährlich und unangenehm ist, so ist er bestimmt weniger lebensgefährlich und weniger unangenehm als eine neue Ostfront.

Sollte man also die Deutschen am Eintritt in die Legion verhindern, wie es viele Leute in England verlangen? Ich halte das weder für richtig, noch für möglich. Ich bin der Ansicht, daß jeder Deutsche ebenso wie jeder Nicht-Deutsche das Recht hat, seine guten Dienste dem Land anzubieten, das ihm gefällt, einerlei ob eine nationale Armee ihn "braucht" oder nicht. (Natürlich wird die Legion in Zukunft ihre Löhnungssätze erhöhen müssen.) Und es ist sicherlich gut, daß es irgendwo in der modernen Welt noch einen Winkel gibt, wo jemand den Politikern seines Landes entkommen kann – oder seiner Frau.

Strafandrohungen für Eintritt in die Legion werden Freiwillige kaum abschrecken, aber den französischen Behörden mehr Gewalt über diese Freiwilligen geben, sobald sie einmal in der Legion sind.

Mir scheint, die beste Lösung wäre, die Fremdenlegion zu einer wirklich internationalen Truppe zu machen, unter modernen Ausbildungsbedingungen, wobei man durchaus anerkennen könnte, daß ihre Traditionen sie besonders an Frankreich knüpfen und daß die Franzosen eine besondere Erfahrung im Einsatz haben. Solche Lösung scheint revolutionär, aber sie ist technisch nicht unmöglich, wie die Entwicklung der Legion in den letzten Jahren zeigt. Ich bin überzeugt, daß eine gemischte, internationale Truppe vor allem im irregulären Krieg einer nationalen überlegen ist. Und auch historisch ist das wohlbegründet, denn die Tradition der mittelalterlichen Ritterorden, von den römischen Legionen ganz zu schweigen, ist sehr viel älter als die der nationalen Armeen mit allgemeiner Wehrpflicht.

Gewiß ist die Fremdenlegion keine Armee von "Bürgersoldaten ohne Pathos". Aber die seltsame Mischung aus Zynismus und Romantik, die den mystischen Zauber der Legion ausmacht, ist genau so wirksam und weniger gefährlich als der Ruf nach patriotischer Pflichterfüllung. Unter internationaler Kontrolle könnten die augenblicklich noch berechtigten Einwände gegen die Prinzipien und Methoden der Fremdenlegion behoben werden.