Mitten hinein in den Disput um die notwendige Bereinigung des Messe- und Ausstellungswesens platzen die Werkzeugmaschinenbauer mit ihrer "Zweiten Europäischen Werkzeugmaschinen-Ausstellung" (14. bis 23. September in Hannover) und zeigen, wie man diesem Problem mit Erfolg zu Leibe geht. Nicht mit allgemeinen Erklärungen, sondern mit Taten, die allerdings Einigkeit voraussetzen. Und einig war man in dieser Industriegruppe schon im Jahre 1950, als sich die nationalen Werkzeugmaschinen-Verbände Belgiens, Deutschlands, Frankreichs, Hollands, Italiens, Schwedens und der Schweiz in Brüssel in einem "Europäischen Komitee für die Zusammenarbeit der Werkzeugmaschinen-Industrie" zusammenschlössen und neben mancher anderen Aufgabe die Lösung der leidigen Messe- und Ausstellungstage in Angriff nahmen. Bis dahin war auch diese Industriegruppe gezwungen, neben der nationalen Messe des eigenen Landes zahlreiche ausländische Messen zu beschicken. Und heute: neben die eigene nationale Messe tritt in jedem Jahr nun nur noch eine europäische Werkzeugmaschinen-Ausstellung. Im vergangenen Jahr war es Paris, 1953 wird es Brüssel, 1954 Mailand sein und in diesem Jahr ist der deutsche Partner der Gastgeber auf dem Messegelände in Hannover, das bei dieser Gelegenheit wieder einmal beweisen kann, daß es für technische Ausstellungen der ideale Platz ist.

In den Gesprächen und Reden, die am Eröffnungstage der Ausstellung in deutscher und anderer Sprache gehalten wurden, ist der Geist der internationalen Zusammenarbeit in vielen Variationen beschworen worden. Hier und auf dem Hintergrund dieser wahrhaft internationalen Schau verloren solche Worte das Pathos, das ihnen aus dem politischen Raum anhaftet und wirken als nüchterne Bestätigung einer bereits mit Erfolg beschrittenen Praxis. "In einer freundlichen Mischung der Nationalitäten" sind die mehr als 800 Stände der Aussteller aus 13 Ländern (einschließlich USA) auf die neun Hallen des hannoverschen Messegeländes verteilt, streng nach Fachgruppen geordnet und in bewußter Konzentration auf das Sachliche und Kommerzielle. Mit diesem deutlich erkennbaren Verzicht auf alles werbende und propagandistische Beiwerk (in Leipzig exerziert man das genaue Gegenteil!) ist hier in der Tat so etwas wie der Durchbruch zu einem "neuen (oder alten?) Messestil" gelungen, der sich nicht der Masse, sondern nur dem Kenner und Interessenten verpflichtet weiß und damit wieder zu der alten Messeaufgabe zurücktastet, in erster Linie und in möglichst reiner Form nur Mittler des Güteraustausches auf nationaler und internationaler Ebene zu sein.

"Diese Messe ist von Fachleuten aufgebaut und nur für Fachleute bestimmt", erklärte der Nürtinger Dipl.-Ing. Hermann Heller, der als Vertreter des Gastlandes und diesjähriger Generalkommissar für die Durchführung der Zweiten Europäischen Werkzeugmaschinen – Ausstellung verantwortlich zeichnet. Fachleute werden es sein, die nach eingehender Prüfung und Sichtung des in Hannover so eindrucksvoll Präsentierten darüber zu urteilen haben werden, wo wir heute auf diesem Schlüsselgebiet des technischen Fortschritts stehen. Kr.