In der zurückliegenden Woche hat die Abwärtsbewegung am Aktienmarkt, die seit längerer Zeit auch die Blicke des sonst weniger börseninteressierten Publikums auf sich zog. eine Verlangsamung erfahren, auf einigen Gebieten auch ihr Ende gefunden. Während die Haussiers von einer vorübergehenden Atempause, von kleineren Gewinnrealisationen oder von üblichen "Regulierungen" sprechen, weisen vorsichtige Leute auf die Verstimmung hin, die aus der Außenhandelssituation oder aus der gesetzgeberischen Arbeit erwachsen In Hamburg wurde die unglückliche Brasilien-Regelung erregt diskutiert, deren Durchführung den Exporteuren große Verluste bringen wird Noch schwerer für die Börse wiegt jedoch die Erkenntnis, daß von diesem Bundestag ein Kapitalmarktförderungsgesetz, das auch den Aktien einige Erleichterungen bringt, nicht mehr zu erwarten ist. Man hat in Bonn offensichtlich nicht Mut gefunden, für eine Sache einzutreten, die von einer kapitalfeindlichen Zeit her noch unpopulär ist.

Am Montanmarkt kamen die Umstellungsmathematiker wieder mehr zu Wort. Sie konnten mit ihren Rechenschiebern den zögernden Käufern die Preiswürdigkeit der Eisen- und Stahlpapiere beweisen, die durch ihren hohen RM-Kurs den wenig eingeweihten Käufer optisch häufig abschrecken. Die DM-Kurse können selbst bei Zugrundelegung der höchsten Umstellungstaxen noch keinesfalls als überhöht angesehen werden. überdurchschnittlich fielen Eisenhütten zurück (113–106 1/2 v. H.). Hier schwanken die Umstellungstaxen zwischen 1:1 bis 1:1,5 wobei noch als fraglich gilt, ob die Gesellschaft schon dividendenreif ist oder nicht.

Auch bei den Elektrowerten trat eine ruhigere Entwicklung ein. Die Höchstkurse bei AEG (38 1/4) und bei Siemens St. (120) wurden in der vergangenen Woche nicht mehr erreicht, doch sind die Abschläge hier nur unwesentlich. Die Meinungskäufe für Siemens (hauptsächlich aus Frankfurt und München) haben aufgehört, nachdem die Siemens-Verwaltung alle Gerüchte über angeblich geplante Kapitaltransaktionen dementiert hat. Aufwärtsgegangen ist es dagegen noch weiter bei den Aktien der Hambg. Electr. Werke (HEW), wo man ebenfalls seit einiger Zeit von einer Kapitalerhöhung wissen will.

Mehr Interesse verdienen die Brauerei-Papiere. Die Gesellschaften schließen mit diesem Monat ihr Geschäftsjahr 1951/52 ab und dürften nach alter Tradition um die Jahreswende herum ihre Bilanzen veröffentlichen. Dabei sollte es, wenn man die Ausstoßziffern betrachtet, bei den Aktionären viele zufriedene Gesichter geben. Bei der Hamburger Elbschloßbrauerei setzt man eine Dividende als ziemlich sicher voraus. Der Kurs stieg von 105 auf 112 1/2. Daß man bei solchen Prognosen aber vorsichtig sein soll, zeigt das Beispiel der New York–Hamburger Gummi-Waaren Compagnie, die im Gegensatz zum Vorjahr diesmal keine Dividende verteilen kann (85 B–80 B, Umstellung 1:1).

Die Textil- und Chemielaserwerke haben in der letzten Woche endlich "Tritt gefaßt". Sicher ist, daß die Produktion wieder stärker anläuft und der Auftragsbestand eine Belebung der Fabrikation für die nächste Zeit zuläßt. Dennoch warnt man in manchen Kreisen vor zuviel Optimismus. Das ist sicherlich berechtigt, soweit es sich um den Phrix-Konzern handelt, bei dem die finanzielle Bereinigung von den Banken nunmehr energisch betrieben wird. Ob die Tatsache, daß der Glanzstoff-Direktor Dr. Zahn in den Vorstand eingetreten ist, bereits genügte, den Phrix-Kurs nach oben zu bringen, oder ob hier Positionskämpfe auch eine Rolle spielten, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht erkannt werden.

Unabhängig von den Montanwerten haben sich die IG-Farben weiter aufwärts entwickeln können. Erst zum Wochenende brachten Abgaben den Kurs von 114 auf III v. H. zurück. IG-Farben werden – das ist sicher – noch für lange Zeit ein interessantes Papier bleiben und für die Umstellungsrechner, die im Laufe der Zeit nur noch auf den Montan-Komplex angewiesen sind, ein dankbares Betätigungsfeld sein. Augenblickliche Taxquote: 1:1, vielleicht etwas mehr!

Über den Rentenmarkt ist noch immer kein Wort zu verlieren. Lediglich die noch nicht eingeführten Wandelanleihen waren im Freiverkehr etwas freundlicher, sonst blieb das seit langem anhaltende schleppende Bild, -ndt.