Als Friedrich Wilhelm IV., der Romantiker auf dem preußischen Königsthron, 1853 den Grundstein zum Wiederaufbau der Burg Hohenzollern legen ließ, standen höchster Aufstieg und tiefster Fall seines Geschlechts noch in den Sternen geschrieben. Heute, ein Jahrhundert später, ist es die Bestimmung der gleichen Burg, zum Refugium zu werden für das, was die Größe der Dynastie ausgemacht und ihre geschichtliche Leistung, den preußischen Staat, geschaffen hat.

Vor Jahresfrist wurde hier der letzte Erbe der deutschen Kaiserkrone beigesetzt. Es entstand dann ein Museum, das gerettete Reliquien der preußischen Geschichte birgt: die Königskrone, die Tabatieren Friedrichs des Großen, seine Degen und Krückstöcke, seinen Interimsrock mit dem Stern vom Schwarzen Adler, die Toilettengarnitur der Königin Luise, das Taufgeschirr Wilhelms I. Nun sind nach langer Irrfahrt die Särge mit den Gebeinen Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs des Großen in der evangelischen Schloßkapelle der Burg beigesetzt worden.

Seit der Heimholung Napoleons von St. Helena in dem Dome des Invalides hat es keine "Rückkehr" gegeben, die von so tiefer Tragik umwoben war. Beide symbolisieren den Abschluß einer Geschichtsepoche. Aber etwas an dieser Parallele widerstrebt dem Vergleich. Napoleon wurde nicht nach Korsika, sondern nach Paris übergeführt, zurück am die Stätte seines Ruhmes. Die beiden preußischen Könige aber bleiben auch an der Wiege ihrer Dynastie Exilierte. Der greise Hof- und Domprediger Döring gab dem Ausdruck, als er zu Beginn seiner Gedächtnisrede auf den vorübergehenden Charakter der Aufbahrung hinwies und von dem Gastrecht sprach, das die beiden Toten auf dem Hohenzollern in Anspruch nehmen, bis sie eines Tages dorthin zurückkehren können, wo sie Krone und Szepter trugen. Der Feststellung, daß unsere Tage "auf das peinlichste einer wahrhaft großen Idee entbehren", setzte Döring Inhalt und Gestalt der preußischen Königs- und Staatsidee gegenüber, der bei aller Verschiedenheit ihrer geistigen Struktur die großen wie die weniger bedeutenden Herrscher aus dem Hause Hohenzollern zu dienen suchten. Und wer den von strahlendem Herbstlicht gewärmten Tag auf der Königsburg am Rande der Schwäbischen Alb miterlebte, der spürte deutlich die formende Kraft, die noch immer vom Preußentum und seiner Geschichte ausgeht.

Prinz Louis Ferdinand von Preußen, der nach dem Tode seines Vaters, des Kronprinzen, den Titel Kaiserliche Hoheit angenommen hat, seine Gemahlin, eine geborene Großfürstin von Rußland, und die Kronprinzessin-Witwe Cecilie konnten nach der kirchlichen Feier im Grafensaal der Burg mehr als 200 Gäste willkommen heißen, wie sie in dieser Zusammensetzung wohl keine Begebenheit der letzten Jahre vereinte, Mitglieder fast aller deutschen Fürstenhäuser und vieler süddeutscher Dynastenfamilien, große Namen des preußischen Adels, Vertreter der ostdeutschen Landsmannschaften trafen sich mit prominenten Persönlichkeiten der Bundesrepublik. So sah man den Bundestagspräsidenten Ehlers, den Bundesminister Lehr, Vertreter des Bundesamtes für Verfassungsschutz und zahlreicher anderer Behörden, General Speidel, den Ministerpräsidenten des Südweststaates, Reinhold Maier, den Rektor der Universität Tübingen, Dr. Thielicke, die Schriftsteller Reinhold Schneider und Ernst Jünger, den Jüngsten der überlebenden Ritter vom Pour le mérite, sowie eine Anzahl bekannter Bundes- und Landtagsabgeordneter. H G St