Wir hörten

In Dichtung, Malerei und Musik wird heute soviel von "folkloristischen Einflüssen" geredet. Der bildungshungrige Zeitgenosse setzt sich also hin, hört faszinierende Tonfolgen von Messiaen oder rätselhaft schöne Verse Ezra Pounds, und dann sagt er sich: "Das also ist indisch... Darin also steckt Afrika..." Damit er sich mehr sagen und denken kann, brachte der SWF ein Nachtstudio: in ihm war nicht von Einflüssen die Rede, sondern von dem, was diese Einflüsse ausübt – von Weltbild und Dichtung der Neger Afrikas. Joachim Ernst Berendt hatte einen kenntnisreichen Vortrag darüber geschrieben, abwechselnde, gute Sprecher trugen zeichendurch seine Gedichtbeispiele vor, eine (leider nur eine) Aufnahme afrikanisch-katholischer Kirchenmusik war eingeblendet – der Funk hat doch die besten Möglichkeiten, solche Themen zu behandeln. Eine Weit der magischen Beschwörung tat sich auf; alles wird dort beschworen, ob es Schlangen oder gar die Gipfel des Kilimandscharo sind: "O Kibo, Salzlast trog mich... Kommst du nicht, so sterb" ich." Eine Welt, in der alles nur Rhythmus ist, Tanz. "Bei Vollmond tanzt ganz Afrika", sagt Frobenius, "wirkliches Leben ohne Tanz ist unmöglich. " Und wir hörten den Rhythmus selbst: im Sanctus einer Negermesse, gesungen zum dumpfen Begleitschlag der Trommeln – monoton, dann ekstatisch... So etwas paßt zur Beschwörung, nie und nimmer zu unserer Rationalität. Die Einflüsse Afrikas werden unsere Kunst immer nur formal berühren, sie können bloß faszinierend, nicht aber magisch wirken. Das zeigte diese Sendung deutlich, und gerade das machte sie so aufschlußreich.

Im Funk hat die neue Konzert-Saison begonnen, den Anfang machte der RIAS im Rahmen der Berliner Festwochen. Ferenc Fricsay stellte sein Orchester zuerst mit Allegria vor, einer neuen Suite von Werner Egk, die erst selten zu hören war. Allegria – das ist musikalisch genau das, was es sprachlich bedeutet: eine Anzahl von Allegros (vier waren’s), von klangfrohen, unproblematischen Sätzen also. Man fühlt sich an klassische Divertimenti erinnert und auf einmal wieder an den "Abraxas", es geht ein großer Reiz aus von der Mischung musikantischer Elemente mit modern-raffinierter Instrumentation. Fricsay traf den Stil des kleinen Werkes genau, er gab den Egk sozusagen allegramente.

Wir werden hören:

Donnerstag, 18.September, 20.15im NWDR: Ein Original-Hörspiel, das ein großer moderner Denker schrieb – "Das Ende der Zeiten" von Gabriel Marcel. Der Philosoph des christlichen Existentialismus weiß sich – wie Sartre – des dichterischen Wortes zu bedienen, um seine Lehre "unter die Leute" zu bringen. In französischen und englischen Sendern hatte dieser Marcel, den wir (mit René Deltgen in der Hauptrolle) aus Köln hören, starken Erfolg.

Freitag, 19. September, 20.00 aus Bremen: Paul Hindemith dirigiert die Wiener Philharmoniker (Aufnahme von den Salzburger Festspielen). Nach dem dritten der zwölf Concerti grossi, mit denen Händel 1739 seine Instrumentalkompositionen krönte, interpretiert er uns Haydns Trompetenkonzert – eines der wenigen Werke dieser Gattung – und zum Abschluß sich selbst: seine Sinfonia Serena (1947).

Sonnabend, 20. September, 22.00 von Bremen: Man braucht nicht nach Düsseldorf zu fahren, um unser Spitzenkabarett zu hören: Das "Kom(m)ödchen" kommt – als "Funkkabarett für Feinschmecker" – ins Haus. Doch Vorsicht: "Das kann ins Auge gehen", warnt sein neues Programm.