Mäßigung und politische Vernunft, das ist das Urteil, das ganz allgemein über den Inhalt der Entschlüsse gefällt worden ist, die der Trade Union Congress (TUC) in Margate gefaßt hat.

Mit erheblicher Majorität wurde gegen eine Opposition, die hauptsächlich aus Kommunisten und weniger aus Anhängern Bevans bestand, eine Entschließung gebilligt, die die Aufrüstung Großbritanniens grundsätzlich gutheißt, und zwar "soweit es in britischer Macht steht, hierfür Mittel bereitzustellen" – ein Zusatz, der über das nicht hinausgeht, was normalerweise auf Versammlungen beschlossen zu werden pflegt, bei deren Teilnehmern starke politische Differenzen bestehen.

Einen zweiten Sieg erfocht die Leitung des Kongresses in der Frage des Lohnstopps. Nach einem vorzüglichen Referat von Mr. Evans über die Rolle, die Lohnerhöhungen’ für den britischen Export spielen, dessen Bedeutung hinsichtlich der Überwindung der ökonomischen Krisis in Großbritanien kein Delegierter zu bezweifeln wagte, wurde beschlossen, eine ungeregelte Erhöhung der Löhne nicht zu befürworten, praktisch also der Politik der augenblicklichen Tory-Regierung zuzustimmen.

In einer dritten Frage allerdings erlitt die Leitung des Kongresses eine Niederlage. Gegen ihren Willen beschloß die Versammlung, daß der General Council einen Plan vorbereiten solle für weitere Nationalisierungen von privaten Wirtschaftsunternehmen. Begreiflicherweise wurde auch die Reprivatisierung der Straßenverkehrs-Unternehmungen und der Stahlindustrie verdammt, die die Tory-Regierung heute betreibt.

Zu diesen drei Entschließungen ist folgendes zu sagen: der Trade Union Congress hat keine Befehlsgewalt über die einzelnen Gewerkschaften. Infolgedessen sind seine Entschließungen über den Lohnstopp nur als Empfehlungen zu werten. Lohnforderungen, wie sie etwa die radikale Gewerkschaft der Elektriker verlangt, werden kaum auf Grund von Beschlüssen des Kongresses von Margate zurückgezogen werden.

Ferner: Die Bereitstellung von Mitteln für die Aufrüstung ebenso wie die Frage zukünftiger Nationalisierungen gehören in den Bereich politischer Entscheidungen, für die nicht die Gewerkschaften zuständig sind, die vielmehr im Parlament beschlossen werden, also der Labour Party vorbehalten werden.

Die Abstimmungen des Gewerkschaftskongresses haben also mehr eine allgemeine moralische Bedeutung als einen direkten Einfluß auf politische Entscheidungen. Sehr viel interessanter war dieser Kongreß dadurch, daß er gewisse Tendenzen der Entwicklung innerhalb der Gewerkschaftsbewegung, die in den eigenen Reihen mit Sorge und Kritik betrachtet werden, deutlich beleuchtete. Die Leitung des Trade Union Congress, insbesondere der Generalsekretär Arthur Deakin, haben sich intensiv gegen den Beschluß gewehrt, weitere Wirtschaftszweige zu nationalisieren. Bisher jedoch war Sozialisierung ein Hauptpunkt im Programm der Gewerkschaften. Weshalb also plötzlich dieser Widerstand der Gewerkschaftsleitung?