Meine Herren, ich habe darum nicht die Möglichkeit, im einzelnen zu dem Stellung zu nehmen, was Sie gesagt haben. Herr Präsident Matern, Sie wissen, daß ich dazu, wenn ich dazu etwas sagen wollte, mancherlei zu sagen hätte.

Präsident Matern: Natürlich!

Präsident Ehlers: Aber ich darf das eine herausgreifen. Sie haben davon gesprochen, das deutsche Volk wünsche, daß die Begriffe Frieden und Freiheit nicht nur Worte blieben. Ich glaube, es gibt in diesem Hause niemanden, der nicht den gleichen Wunsch hat. Nur scheint mir die Frage, vor der wir, hoffe ich, gemeinsam stehen, zu sein, in welcher Weise das realisiert wird. Sie wissen, daß Ihr Besuch hier zu umfangreichen Erörterungen in der Öffentlichkeit Anlaß gegeben hat. Das hat dazu geführt, daß ich in beinahe unübersehbarer Zahl aus Ost und West Meinungsäußerungen aus den verschiedensten Kreisen der Bevölkerung bekommen habe, von der Stimme an, die sagt: Mit solchen Menschen setzt man sich nicht an einen Tisch, bis zu den entgegengesetzten Meinungen. Sie wissen, was ungefähr in solchen Briefen stehen kann. Aber aus all den Briefen klingt das eine heraus, was ich wirklich hervorhebe und was ich mit Ihnen sehe – ich fürchte allerdings daß wir über die Realisierung nicht einer Meinung sind –, die Worte Frieden und Freiheit zur Tatsache werden zu lassen. Sie werden sich vorstellen, daß der Name Dr. Linse, der Name Waldheim, der Begriff der freien Wahlen in diesen Briefen eine ungeheure Rolle gespielt hat, eine Rolle, die er nicht nur für diese Menschen, sondern für die in diesem Hause tätigen Parlamentarier und für mich spielt. Ich meine, daß wir berufen wären, über das Wort hinaus in dem Bereich, der unserem unmittelbaren Einfluß unterliegt, dafür zu sorgen, daß diese Begriffe vielleicht mehr Realitäten werden, als sie es sind. Wir sind darüber verschiedener Meinung Aber wenn wir uns schon hier gegenübersitzen, sind wir uns ja schuldig, daß wir diese Dinge sagen, wie wir sie sehen müssen und wie wir sie mit großer Sorge sehen. Darum möchte ich, weil auch das wieder nur eine Floskel sein könnte, nicht sagen, daß wir einig seien in dem Willen zur Einheit. Denn wir wissen, daß Worte heute eine gefährliche zwiespältige Bedeutung bekommen. Aber ich wäre dankbar für jeden Schritt, der dazu führt, daß das beseitigt und begrenzt wird, was uns bedrückt und was nach meiner Überzeugung den Weg zur Einheit außerordentlich schwer macht. Es gibt niemand in diesen Hause, der nicht wünscht, daß Viermächteverhandlungen stattfinden. Wir drängen darauf. Die Frage scheint mir allerdings nicht zu seir, daß sie stattfinden, sondern worüber sie stattfinden. Und dazu wird der Deutsche Bundestag; und wird die Bundesregierung ja in nächster Zeit auch wieder ihr Wort zu sagen haben.

Stellvertretender Ministerpräsident Nuschke: Wir danken Ihnen, Herr Präsident, insbesondere auch dafür, daß Sie uns diese Zeit geopfert haben Ich möchte doch der Hoffnung Ausdruck geben, daß, wenn wir jetzt über gewisse Begriffe verschiedener Meinung sind, eine einheitliche deutsche Meinung sich gerade durch gemeinsame Arbeit herauskristallisieren könnte. Und diese gemeinsame Arbeit möchte ich in der Möglichkeit gemeinsamer Beratungen sehen.

Präsident Matern: Wir haben den Auftrag, die Antwort hier zu erwarten und eventuelle Verhandlungen zu führen. Sie halten das nicht für möglich?

Präsident Ehlers: Ich halte das nicht für möglich, Herr Matern, und zwar zunächst einmal rein aus zeitlichen Gründen. Der Bundestag hat sich auf zwei Wochen vertagt, er hat wegen des Sozialdemokratischen Parteitages eine sitzungsfreie Woche eingeschoben. Es gibt also überhaupt keine Möglichkeit, daß die Mitglieder des Hauses und die Fraktionen zu diesem Brief vorher Stellung nehmen. Ich würde Ihnen also dringend empfehlen, nicht zu warten, sondern es der Antwort überlassen, auf welche Weise eine solche Möglichkeit, die Sie im Auge haben, eventuell zustandekommt.

Präsident Matern: Uns schwebte natürlich vor, wenn eine ganze Delegation nach Bonn kommt, daß die Möglichkeit für Verhandlungen über die von uns aufgeworfenen Fragen oder andere Fragen besteht, die von Ihnen aufgeworfen werden.