Vocke und Erhard als Sprecher auf der Mexiko-Tagung

Auf der 7. Jahresversammlung des Währungsfonds (IMF) und der Weltbank in Mexiko City sind – mit bemerkenswerter rhetorischer Bravour und kristallklaren Argumenten – so prächtige Früchte "vom Baume der Erkenntnis (der Ursachen weitverbreiteter Zahlungsbilanzstörungen und währungspolitischer Gefahren) gepflückt wurden, daß die ob böser Erfahrungen in der Vergangenheit und ~~~ischer ökonomischer Konstellationen in der Gegenwart ängstlich gewordene Menschheit allgemein neue Hoffnung auf die Vermeidbarkeit neuer Katastrophen schöpfen darf. Die Deutschen können bei der Würdigung dessen, was in Mexiko konstatiert, getadelt und gefordert wurde, mit besonderer Befriedigung die erfreulich eindeutig formulierten Beiträge des Präsidenten des BdL-Direktoriums und des Bundeswirtschaftsministers registrieren.

Was Geheimrat Dr. Wilhelm Vocke – als Sprecher eines Landes mit schlimmen Erinnerungen, heutzutage jedoch stabilem Geld – vor dem IMF-Forum sagte, war zwar (dem mit der Materie Vertrauten) nicht neu, aber wiederholenswert: "Die Inflation ist unter allen öffentlichen und privaten Finanzierungsmethoden die unsozialste, weil am Ende die Masse der Bevölkerung der Leidtragende ist." Dabei ist es quasi ein Paradoxon, daß die Inflation, "in sich selbst und hinsichtlich ihrer Folgen" also just das "denkbar Unsozialste", manchmal (ausgerechnet) durch "Übersozialismus" hervorgerufen wird. Eine Feststellung Vockes, die die unverbesserlich Leichtfertigen angeht, jene, die vorsätzlich oder fahrlässig am Kredithahn spielen (oder das gern möchten), weil die sozial-verbrämten Vollbeschäftigungshypothesen ihnen den Sinn verwirren.

Am Beispiel der Bundesrepublik...

Am Beispiel der Bundesrepublik läßt sich demonstrieren, daß die Geldentwertung nicht unabwendbar ist, daß es "höchst wirksame Waffen gibt, sich vor ihr zu bewahren, sie zu bekämpfen, so der Wille zur Verteidigung einer gesunden Währung vorhanden ist." Solche Waffen hat nicht etwa, wie man glauben könnte, vornehmlich der Finanzminister, weil er sein Budget ins Gleichgewicht zu bringen (zu "balancieren") hat, sondern die Notenbank. "Denn die Etats werden ausgeglichen, wenn die Zentralbank nicht willens oder gezwungen ist, inflationäre Kredite zu gewähren." Wo immer inflationistische Tendenzen drohen, muß es ergo der Zentralbank sofort gestattet sein, die Währung zu schützen. Das taten wir in Deutschland, berichtete IMF-Gouverneur Vocke seinen Kollegen unter Hinweis auf die Neutralisierung der bedenklichen Symptome heimischer Übernachfrage und disproportionierten Außenhandels in den ersten Monaten der Korea-Krise. Therapie: "Restriktive Kreditpolitik in Verbindung mit einem hohen Diskontsatz und erhöhten Mindestreserven", unpopulär zu Beginn, populär im Augenblick des Erfolges.

Ausschlaggebend war dabei, wie man weiß, daß die BdL ohne Dazwischenpfuschen der politischen Instanzen tun konnte, was sie für gut befand. Machen jedoch "die Politiker die Zentralbank zu ihrem Instrument, zwingen sie zu exzessiven Krediten und verhindern sogenannte unpopuläre Maßnahmen, dann wäre eine Inflation unvermeidbar". Vocke lobte coram publico: "Die deutsche Regierung, und die Legislative zeigten weise Selbstdisziplin und erlaubten es der Bank, ihre Autorität und ihre Waffen zur Geltung zu bringen." Ist bei uns demnach alles so, wie es sein soll? Keineswegs: "Wir machten auch unsere Fehler; bezüglich des Kapitalmarktes und der Kapitalpreispolitik machten wir während all’ dieser Jahre keinen Fortschritt."

Versäumte Kapitalmarkt-Reform