Vor 70 Jahren fand in München ein Ereignis statt, das die Elektrotechnik revolutionierte. Nach dem Vorschlag des Franzosen Marcel Deprez wagte Oskar von Miller den ersten Versuch einer Hochspannungs – Kraftübertragung Das erfolgreiche Ergebnis des auf der Strecke Miesbach-München durchgeführten Experimentes war eine Sensation. Gewürdigt wurde dieses Ereignis in diesen Tagen, anläßlich der Jahresversammlung des Verbandes Deutscher Elektrotechniker (VDE) in München, als Bayerns Ministerpräsident Dr. Ehard an der Stätte dieses epochalen Versuches einen Gedenkstein enthüllte.

Den Fortschritt, den die Elektrotechnik seit diesem Tag genommen hat, konte man aus der Fülle der über 45 Fachreferate dieser Tagung feststellen. Die elektrotechnische Industrie, die heute nach den Worten des letzten Verbandsvorsitzenden Dr.-Ing. e. h. Karl Herz, Darmstadt, mit 1 Million Beschäftigten fast den Stand wieder erreichte, wie er 1938 im alten Reichsgebiet war, kann auf bedeutende Wiederaufbauleistungen in Wissenschaft und Industrie zurückblicken. Der auf technisch-wissenschaftlicher Basis arbeitende Verband sieht mit seinen über 8000 Mitgliedern seine Hauptaufgaben im Ausbildungs- und Vortragswesen, im Erlaß von Vorschriften zur Verhütung von Unfällen und zur Erhaltung des Materials vor allem in seinem Prüfwesen. Nicht zuletzt durch das VDE-Gütezeichen, "das von der Steckdose im Haushalt bis zum Hochspannungsschalter im Elektrizitätswerk zu spüren ist , sei es gelungen, wie Verbandssekretär Dr. Lauster auf einer Pressekonferenz betonte, die Qualität der Elektroerzeugnisse weitgehend wieder auf den Friedensstand zu heben.

Der 1893 in Berlin gegründete VDE, der heute seinen Sitz in Frankfurt hat, wird seine nächste Jahresversammlung und zugleich sein 60jähriges Jubiläum in Berlin abhalten. – Die Mitgliederversammlung wählte Dr. Heinz Thörner AEG Frankfurt als neuen 1. Vorsitzenden. H. K.