Richard Wlchterien: Benito Mussolinis individuelle Substanz, die gerade dem, was einen Staatsmann auszeichnet, immer im Wege stand. Hinter der offiziellen Cäsarenpose verbarg sich ein schwankender und unsteter Charakter, bald grausam, bald feminin, radikal und sentimental zugleich, voller Eifersucht auf Hitler und zugleich von ihm fasziniert, ein Sternengläubiger, an dem der Geist der modernen Zivilisation fremd vorübergegangen war. Die Unklarheit und Verschwommenheit seiner politischen Vorstellungswelt kompensierte er in der Maßlosigkeit seines Machtwillens. In seiner rauschhaften Täuschung über die Schwächen Italiens machte er seine eigenen positiven Leistungen immer wieder zunichte.

Wichterichs Buch zeigt den gigantischen Mechanismus der Öde, dessen sich die Diktaturen zur Realisierung ihrer nihilistischen Wunschwelt bedienen. Durch das Biographische schimmern überall die intimen Dialoge zwischen Experiment und Abenteuer hindurch. Vielleicht können sie dazu helfen, daß die Völker sich nicht in ihre eigenen Tragödien verlieben.