Alois Melichar: Die unteilbare Musik. Betrachtungen zur Problematik des modernen Musiklebens. (Verlag Josef Weinberger, Wien und London. 131 S.)

Der Wiener Alois Melichar ist dem großen Publikum vor allem als Komponist zahlreicher Filmmusiken bekannt geworden. Daß er auch jenseits dieser Domäne etwas zu sagen hat, kann man an Hand dieses Buches erfahren, das eine Sammlung verstreut erschienener Aufsätze und rednerischer Äußerungen enthält. Vieles, steht darin, was der eines gewissen Musiktreibens müde Leser mit innigem Vergnügen und nicht ohne ein erhebendes Quantum boshafter Schadenfreude seinem Gedächtnis einverleiben wird. Dafür gleich einmal einige Beispiele aus dem Aphorismen-Anhang:

"So manchem schöpferischen Schmock gab ein Gott zu leiden, was er sagt."

"Der Wahlspruch mancher avantgardistischer Kritiker: Snoblesse oblige!"

"Noch das exzentrischste Muster der atonalen Kompositionstechnik fristet ein Scheinleben von dem tonalen Kredit, den ihm Quinte und Oktave gewähren."

"Bahnbrecher, wie man genialische Anreger oft zu benennen liebt, können leicht zu Bahnsperrern werden, wenn sie nach Erfüllung ihrer geschichtlichen Aufgabe nicht abtreten wollen."

Solche Kernsätze bergen in sich den Extrakt der polemischen Kapitel und erfahren dort ihre sachliche Begründung mit einem imponierenden Aufwand von Sachkenntnis und geschliffener Urteilskraft. Dabei kommt auch die Tageskritik –vielmehr deren derzeitig vielfach tonangebende, snobistische Spezies – sehr schlecht weg, und zwar nicht etwa nur dank der Treffsicherheit des über sie ausgeschütteten Hohnes, sondern besonders dank der "sitzenden" Entlarvung ihrer Schwaben.