DIE ZEIT

Schmutz und Schund

Daß es nötig ist, die Jugend gegen den Einfluß unzüchtiger oder schamloser Schriften und Bilder zu schützen, darüber ist man sich in allen verantwortungsbewußten Kreisen einig.

Jo-Hos Porträt

Die New York Herald Tribune fügte ihrer letzten Sonnabend-Ausgabe eine umfangreiche Saarbeilage an, die unter zahlreichen Artikeln auch ein Porträt des Saar-Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann (Jo-Ho.

Die überdrehte Steuerschraube

Wer über die Einkommensteuertabelle reden will, muß vorher alle Neidgefühle über Bord werfen. Denn alle Ideologien, die auf der Grundlage des – oft gedachten und stets verschwiegenen Satzes "Wenn ich nur 503 Mark" verdiene, dann braucht ein anderer nicht 3000 zu haben" in Steuerdebatten vorgebracht werden, sind allzu verlogen, als daß sie Nutzen bringen könnten.

Teurer Spaß

Während bei den Manövern in Westdeutschland dem Vernehmen nach eine erfreuliche Zusammenarbeit zwischen alliierten Abteilungen und der verkehrsregelnden deutschen Bereitschaftspolizei stattfindet, wird in Niedersachsen den Jägern ein Waffenschein für Jagdflinten ausgehändigt, auf dem warnend der Artikel 7 des Gesetzes Nummer 24 der alliierten Oberkommission zitiert wird: "Im Falle eines mit Überlegung vorgenommenen Versuchs der Wiederaufrüstung kann auf Freiheitsstrafe, für die kein Höchstmaß besteht, unter Einschluß lebenslänglicher Freiheitsstrafe und auf Geldstrafe bis zu einer Million DM erkannt werden.

PEP-unwürdig

Die Hilfsstellung für Tito wächst sich gelegentlich zu einem moralischen "appeasement" aus. Wie im zweiten Weltkrieg gegenüber den Russen läßt sich auch hier eine fatale Neigung der demokratischen Staatsmänner feststellen, das Nützliche nicht nur für nützlich, sondern auch für liebenswert zu halten.

Wie der Westen lebt und leben will

Hundertzweitausend waren es am Abend des zweiten Tages, und 65 000 von ihnen waren von "drüben" gekommen, aus Pankow und Weißensee, aber auch aus Leipzig und Halle, um wenigstens schauend Anteil an dem zu haben, was am Berliner Funkturm in elf großen Hallen als "Lebensstandard der freien Welt" zu sehen ist.

Tagebuch der Zeit: England läßt sich lange bitten...

Die Verhandlungen im Straßburger Europahaus erreichten ihren Höhepunkt, als innerhalb von drei Tagen im Plenarsaal hintereinander die Schlußsitzung der "Gemeinsamen Versammlung der Montan-Union", die konstituierende Sitzung der "Sonderversammlung" (Assemblée ad hoc) – die an Stelle der noch nicht bestehenden "Versammlung der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft" Vorarbeiten für eine europäische Verfassung und eine europäische Politische Behörde durchführen soll – und die Eröffnungssitzung der zweiten diesjährigen Tagungsperiode der "Beratenden Versammlung des Europarates" stattfanden.

18 Minuten West-Ost-Unterhaltung

Der Bundestagspräsident hatte sich bekanntlich für den Empfang, aber gegen ein Gespräch entschieden. Den Besuch überhaupt abzulehnen, hielt er schon wegen des propagandistischen Mißbrauchs, der mit einer solchen Ablehnung getrieben worden wäre, für verfehlt.

André Marty

Die Zahl der Menschen ist nicht mehr groß, die schon seit der Oktoberrevolution im Lager des Weltkommunismus stehen. Unter ihnen sind solche, deren Rolle in der Revolutionszeit nachträglich vergrößert oder verkleinert wurde, wie Stalin oder Karl Radek, solche, die in die "Verräter"-Rubrik eingereiht wurden wie Ruth Fischer und Tito und schließlich solche, denen erst in unseren Tagen der Prozeß gemacht wird wie Anna Pauker.

ZEITSPIEGEL

Ein Sprecher des japanischen Außenministeriums erklärte zu dem zwischen der Sowjetunion und der Chinesischen Volksrepublik in Moskau getroffenen Abkommen, wonach russische Streitkräfte solange in Port Arthur bleiben werden, bis beide Staaten Friedensverträge mit Japan geschlossen haben: "Wir haben uns niemals geweigert, einen Vertrag mit Rußland zu unterzeichnen, weil Rußland uns niemals aufgefordert hat, einen solchen zu unterschreiben.

Schweden bleibt Wohlfahrtsstaat

Die schwedischen Parlamentswahlen haben keine Sensationen gebracht. Die Sozialdemokraten haben, trotz geringer Verluste, die führende Position, die sie seit zwanzig Jahren innehaben, auch diesmal wieder behauptet.

Hold fast – Halt fest

Wer in den schon sehr herbstlichen Tagen der letzten Woche im Auto durch die Bundesrepublik fuhr, stieß oft auf militärische Fahrzeuge, abgesperrte Straßen, auf Schilder mit Symbolen und Zahlen.

Bürgerkrieg in Kolumbien

Kolumbiens Hauptstadt Bogotá war vor kurzem wieder der Schauplatz für den Ausbruch eines wilden Hasses zwischen den Anhängern der beiden führenden Parteien, der Konservativen und der Liberalen.

Christian E. Lewalter:: Jenseits von rechts und links

Gegen Ende der Weimarer Republik, als die Soziologie die Wissenschaft der Zukunft schien, hat einer der klügsten ihrer deutschen Repräsentanten das Wort von der "freischwebenden Intelligenzschicht" erfunden, das bald vom allgemeinen Sprachgebrauch übernommen wurde.

Verwandlungen des Menschengesichts

In Amsterdam, im Rijksmuseum, ist bis zum 5. Oktober eine Ausstellung zu sehen, die den Titel trägt Drei Jahrhunderte niederländische Bildnismalerei.

Ich – myself – moi meme

An Ausstellungen von Kinderzeichnungen in aller Art und Welt ist heute gewiß kein Mangel. Und insofern ist diese Münchener Darbietung der Internationalen Jugend-Bibliothek kein neues, auffälliges Ereignis.

Von Gershwin bis Goldberg

Um den bisher attraktivsten musikalischen Beitrag der Festwochen, um George Gershwins viel berufene Negervolksoper "Porgy and Best", gab es lauten Jubel.

Der Kommandant ist ein Feigling

"Ein Buch, das da anfängt, wo die Kriegsbücher aufhören" – so schrieb ein amerikanischer Kritiker über Herman Wouks "The Caine Mutiny", das jetzt unter dem deutschen Titel "Die ‚Caine‘ war ihr Schicksal", übersetzt von Christoph Ecke, im Wolfgang Krüger Verlag, Hamburg, erscheint.

Die ehrlichen Halunken

Bressanone ist ein gradstraßiges, schmuckes Städtchen in Italien. Dort leben angesehene Bürger und Tabakschmuggler, die nun auch angesehene Bürger werden wollen.

Was ist wichtiger: Produktion oder Verteilung

Zur Mitbestimmung sagt Schiller, man steuere hier zwischen der Scylla eines Neo-Syndikalismus, der den Betriebsegoismus begünstigen od;r stabilisieren würde, und der Charybdis einer pluralistischen Wirtschaftspolitik hindurch.

Marktwirtschaft von links

Werden wir nun klüger werden? Die SPD wird ihrem Parteitag in Dortmund ihr wirtschaftspolitisches "Aktionsprogramm" vorlegen, das vor Wochen im Entwurf veröffentlicht worden ist.

Propheten und Planer

Zu dem in unsrer letzten Ausgabe (unter dem Titel "Prophezeite Krisen finden nicht statt") wiedergegebenen Aufsatz von L. Albert Hahn (früher Frankfurt a.

Ausstellung – nicht Messe

Die gegenwärtig in Berlin stattfindende Deutsche Industrieausstellung übertrifft an Ausdehnung und Aufmachung ihre beiden Vorgängerinnen.

Markenartikel dienen dem Verbraucherinteresse

"Die Hersteller von Markenerzeugnissen", so heißt es in einem Geleitwort des Bundeskanzlers zur Jahrestagung des Markenverbands, "erfüllen eine wichtige Aufgabe, wenn sie auch weiterhin bemüht sind, im freien Wettbewerb den Verbraucher mit Waren gleichbleibender Güte zu angemessenen und überall gleichen Preisen zu versorgen.

Denkbar unsozial: Inflation als Ausweg

Auf der 7. Jahresversammlung des Währungsfonds (IMF) und der Weltbank in Mexiko City sind – mit bemerkenswerter rhetorischer Bravour und kristallklaren Argumenten – so prächtige Früchte "vom Baume der Erkenntnis (der Ursachen weitverbreiteter Zahlungsbilanzstörungen und währungspolitischer Gefahren) gepflückt wurden, daß die ob böser Erfahrungen in der Vergangenheit und ~~~ischer ökonomischer Konstellationen in der Gegenwart ängstlich gewordene Menschheit allgemein neue Hoffnung auf die Vermeidbarkeit neuer Katastrophen schöpfen darf.

Eine historische VDE-Tagung

Vor 70 Jahren fand in München ein Ereignis statt, das die Elektrotechnik revolutionierte. Nach dem Vorschlag des Franzosen Marcel Deprez wagte Oskar von Miller den ersten Versuch einer Hochspannungs – Kraftübertragung Das erfolgreiche Ergebnis des auf der Strecke Miesbach-München durchgeführten Experimentes war eine Sensation.

Das Wissen um das Wo

Der Deutsche Industrie und Handelstag hat vor kurzem (gemeinsam mit dem Gesamtverband des Deutschen Groß- und Außenhandels) durch das Institut "Finanzen und Steuern" einen Gesetzentwurf ausarbeiten lassen, der auf die steuerliche Förderung der produktiven Leistung abzielt.

Nur bei den großen Posten ist zu sparen

Aber wie gesagt, das sind Erscheinungen "am Rande". Grundsätzlich wichtig hingegen ist die folgende Erkenntnis: Wer ernstlich bei den öffentlichen Aufwendungen sparen will, muß sich an die großen Posten halten, und hier nun wieder an solche, die nicht (wie etwa die Ausgaben für den Wehrbeitrag) durch zwischenstaatliche Verträge "gebunden" und damit "fixe" Kosten geworden sind.

Nach einer ruhigen Börsenwoche

Die Frage, ob die gegenwärtige Zurückhaltung des Börsenpublikums von längerer Dauer sein wird oder ob man es nur mit einer vorübergehenden Atempause zu tun hat wird immer noch, unterschiedlich beurteilt.

Rohstoffmärkte wieder etwas schwächer

In der vergangenen Woche tendierten die Lebensmittel- und Rohstoffmärkte der Welt unter dem Druck der großen Ernten in Getreide, Ölsaaten, Zucker, Kautschuk usw.

Neuerscheinungen für die Wirtschaft

Handbuch der Hausinstallation heißt eine Neuerscheinung der Verlagsgesellschaft Rudolf Müller, Köln-Braunsfeld, im Rahmen der Sammlung bautechnischer Fachbücher (300 S.

Brauer wehren sich

Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, möchte man zitieren, wenn man erfährt, daß sich der deutsche Brauerbund an das Ernährungsministerium zur Bereitstellung von Mitteln für den Import amerikanischen Hopfens gewandt hat.

Treuhänder des Kreditverkehrs

Anfang September hat die "Auskunftei W. Schimmelpfeng (vorm. R. G. Dun & Co.) GmbH." ihr 80. Geschäftsjubiläum begangen, verbunden mit der Ehrung des 50.

SPORT DER ZEIT: Zerreißt die fünf Ringe...

Das Thema "Olympische Spiele" bewegt die Gemüter noch immer. In allen Ländern zieht man die Bilanz von Helsinki und schmiedet bereits Pläne für Melbourne, das in vier Jahren die Jugend der Welt zu friedlichem Wettstreit in seinen Mauern vereinen soll.

Nebenan rollt die Kugel

Pravernünde ist nicht berühmt geworden durch Tagungen und auch nicht dadurch, daß es seit eh und je der "Freien und Hansestadt Lübeck" zugehörte. Travemündes Ruhm ist einer Chronik aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts zu entnehmen.

Lucienne dramatisch

Seit mehr als zwanzig Jahren besitzen Sammler von Schallplatten das Lied "Parlez-moi d’mour" als wohlgehütete Konserve. Seit mehr als zwanzig Jahren bekommen Leute, die es kennen und nennen, einen schwelgerischen liebenswerten Zug im Gesicht.

Der Wettlauf an der Schallgrenze

Noch immer stellen sich die Leute im Westend von London vor dem Kino an, in dem der Film "Die Schallgrenze" gezeigt wird. Wieder gezeigt wird, denn die Flugschau von Farnborough mit ihrer tödlichen Katastrophe, bei der ein Düsenjäger über der Zuschauermenge zerplatzte, hat dem Film einen neuen und schauerlichen Sensationswert verliehen.

Die Jagd nach Liebe

Horst Lange hat seinem ersten Roman seit 1940 eine ungewöhnliche Bemerkung vorangeschickt: "Die Personen", sagt er, "stellen weder photographische noch sonst welche Porträts dar.

Der nackte Leib

Die Aktzeichnung bedeutet für viele Laien den Inbegriff dessen, was dem Beruf des bildenden Künstlers das Glänzende zugleich wie das Anrüchige verleiht, einen Anhauch der Boheme, einer Freiheit, die über die bürgerliche Ordnung hinausreicht.

Experiment oder Abenteuer?

Richard Wlchterien: Benito Mussolinis individuelle Substanz, die gerade dem, was einen Staatsmann auszeichnet, immer im Wege stand.

Ein Drama und ein Film zum Lesen

John Steinbock: Die wilde Flamme. Eine Schauspiel-Novelle (deutsch von Ilse Krämer, Humanitas Verlag, Zürich, 151 S.). Jean-Paul Sartre: Das Spiel ist aus.

Das Martyrium der Simone Weil

"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Hierin liegt der wahrhaftige Beweis von der Göttlichkeit des Christentums", und an anderer Stelle: "Wenn ich an die Kreuzigung denke, begehe ich jedesmal die Sünde des Neides" – das sind grell zugespitzte Gedanken, wie man sie kaum von einem weiblichen und noch dazu recht jugendlichen Kopf erwarten würde.

Hecht im Karpfenteich

Der Wiener Alois Melichar ist dem großen Publikum vor allem als Komponist zahlreicher Filmmusiken bekannt geworden. Daß er auch jenseits dieser Domäne etwas zu sagen hat, kann man an Hand dieses Buches erfahren, das eine Sammlung verstreut erschienener Aufsätze und rednerischer Äußerungen enthält.

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