H. M. W. Triest, Ende September

Die Hilfsstellung für Tito wächst sich gelegentlich zu einem moralischen "appeasement" aus. Wie im zweiten Weltkrieg gegenüber den Russen läßt sich auch hier eine fatale Neigung der demokratischen Staatsmänner feststellen, das Nützliche nicht nur für nützlich, sondern auch für liebenswert zu halten. Um das Los derjenigen zu erleichtern, die kommunistischen Zwangssystemen entfliehen, haben die Amerikaner recht bedeutende Fonds bereitgestellt, die den Wohlfahrtsorganisationen unter dem Kennwort "PEP" bekannt sind. (Die Buchstaben deuten an, daß es sich hier um das Programm des Präsidenten für "escapees" handelt.) Seit kurzem dürfen diese Mittel nun auf keinen Fall für jene verwendet werden, die aus Jugoslawien entflohen sind Die Flucht aus dem Reiche Titos wird also nicht mehr als verständliche Äußerung des dem Menschen angeborenen Freiheitsdrangs angesehen. Hat man ganz vergessen, daß diese "PEP-unwürdigen" wahrscheinlich noch vor kurzem westlichen Sendern gelauscht haben, die das Leben in den demokratischen Ländern, die dort herrschende Freiheit und Achtung vor der Menschenwürde den Bedingungen in Jugoslawien gegenüberstellten? Die menschlichen Konsequenzen dieses amerikanischen Entschlusses sind sehr hart. In Triest stauen sich die Flüchtlinge, sie können weder heraus noch zurück. Ledige Männer sind zu, Hunderten in einem Gefängnis untergebracht, das aus sanitären Gründen für Strafgefangene nicht mehr verwendet wurde und das die Wohlfahrtsbetreuer in eine Parallele zu Buchenwald setzen. So also sieht das Tor aus, durch das diese Menschen schließlich doch in die westliche Welt eingehen werden, denn trotz dieses Empfanges kehren nur ganz wenige zurück.