Zu dem in unsrer letzten Ausgabe (unter dem Titel "Prophezeite Krisen finden nicht statt") wiedergegebenen Aufsatz von L. Albert Hahn (früher Frankfurt a. M., jetzt New York) ist nachzutragen, daß mittlerweile in Heft 17 der "Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen" eine Entgegnung von Prof. Erich Schneider, Kiel, erschienen ist, auf die Prof. Hahn (im gleichen Heft) geantwortet hat. Wir veröffentlichen im Folgenden zunächst den Schlußpassus dieses Aufsatzes, in dem Prof. Hahn nochmals ein Resümee zieht; eine redaktionelle Stellungnahme schließt sich an.

"Es ist eine wissenschaftlich und logisch beweisbare, auch durch die Erfahrung erwiesene Tatsache, daß eine allgemein als sicher angenommene Entwicklung nicht eintritt. Dies deshalb, weil sich die Wirtschaft der vorausgesagten intertemporalen Falschverteilung der Nachfrage – durch Vorverlegung von Investitionen und Konsum – anpaßt, weil also (mit anderen Worten) die Prophezeiung sich selbst vernichtet. So hat nach Ausbruch des Korea-Krieges (1959) die Antizipation einer starken Inflation im Jahre 1951 dazu geführt, daß nach den Verkäufen des Jahres 1950 das Jahr 1951 eine Zeit des Zuviels an Vorräten und des Preisdruckes wurde.

Nicht uninteressant ist es im übrigen, daß die Prophezeiungen einer Nach-Aufrüstungs-Depression in den letzten Wochen zu verstummen beginnen: anscheinend unter dem Eindruck gewisser Anpassungserscheinungen. Was mich anbelangt, so werde ich die Nach-Aufrüstungs-Depression erst dann in meine Berechnungen einstellen, wenn ich bemerke, daß die Propheten überwiegend einen Nach-Aufrüstungs-Aufschwung in Aussicht stellen – oder wieder von der "permanenten" Inflation zu sprechen und zu schreiben beginnen."

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Soweit L. Albert Hahn. Seine Ausführungen sollen in noch zwei Punkten kurz ergänzt werden.

Der eine Punkt bezieht sich auf die (von Hahn kritisch behandelte) These der Keynesianer unter den amerikanischen Nationalökonomen, wonach eine "Überinvestitions-Depression" eintreten müsse, wenn die Aufrüstung "abgeschlossen" sei. Dagegen steht die Überlegung, daß die Militärs, als Rüstungstechniker – bei dem schnellen Vorantreiben der Forschungen und Entwicklungen auf ihren Spezialgebieten – sich eher die Zunge abbeißen würden, als daß sie eines Tages erklärten: Die Wiederaufrüstung sei nun "vollendet", und man brauche weiterhin "nur noch recht unbedeutende Beträge" für diese Zwecke. Es ist höchst unrealistisch, ja fast absurd, annehmen zu wollen, daß der homo technicusmilitans sich je insoweit bescheiden werde.

Der letzte Punkt betrifft die Konsequenzen, die wir hier in Westdeutschland aus den Erkenntnissen Hahns zu ziehen haben – und zwar weniger in bezug auf die Arbeit unserer Konjunktur-Institute (die ohnedies, was die Prognosen anbelangt, "bei gedämpfter Trommel Klang" vorgehen), als in bezug auf die seltsamen Planungsneigungen, die in gewissen Kreisen führender Unternehmer bei uns immer noch eine beträchtliche Rolle spielen, wobei man sich denn auch gerne auf die "beispielhafte Art" beruft, mit der in den USA ("Fortune" spielt da eine besondere Rolle!) "schon heute die kommende Entwicklung der Jahre 1954, 1955 und folgende vorausbedacht, diskutiert und eingeplant wird". Wenn man sich nun den Kreis dieser Planungsenthusiasten hier bei uns zulande ein wenig genauer ansieht, kann man feststellen, daß ihr Hinneigen zu einer bestimmten Art von Dirigismus (nach dem Vorbild der Keynesianer in den USA nämlich) durch ihre besondere Interessenlage bedingt ist: es handelt sich da eigentlich ausschließlich um die führenden Leute in den Großbetrieben solcher Sparten, wo ein Oligopol besteht, d. h. wo sich – bei "unvollständiger Konkurrenz" – einige wenige große Firmen in den Markt teilen.