Wir hörten:

Concert – das heißt eigentlich Wettstreit, und "zu einem Concert in des Wortes ursprünglichem Sinn" hatten die Rundfunkanstalten der Bundesrepublik "die musikalische Jugend der Welt" nach München eingeladen. 183 Teilnehmer, der jüngste siebzehn und der älteste dreißig Jahre, waren gekommen um am Klavier, auf Orgel, Violine oder Violoncello die Besten zu werden. Sie spielten vor einer Juri aus Meistern ihres Fachs: Conrad Hansen, Fritz Heitmann, Prihoda, Mainardi – vier für vierzig, selten traf man so viele prominente Solisten beisammen. Die Jungen spielten, was sie selber wollten und daher auch selber verantworten mußten; man suchte nicht die Brillantesten, sondern die Reifsten... Vier von ihnen wurden dann den Hörern (von München, SWF, Bremen, Stuttgart, RIAS und sogar denen der Radiodiffusion frangcise) vorgestellt, im Abschlußkonzert des "Ersten Internationalen Musikwettbewerbs der Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland". Leider war es – mit drei Stunden – ebenso zu lang wie dieser Titel ... Wie viele Hörer mögen bis zu den Höhepunkten des Abends ausgeharrt haben? Der erst dreiundzwanzigjährige Australier Lawrence Davis trug ein Glanzstück an Chopininterpretation vor: so wie er nutzen nicht viele die Möglichkeiten im reichen Solopart des f-moll-Klavierkonzerts. Er war zur rechten Zeit schlicht und spielte brillant, er war präzis in den Tempi und doch elegant. Professor von Waltershausen meinte bei der Preisverkündung, "hundertprozentiges" Können sei nicht dabeigewesen, – nun, Davis braucht nicht mehr lange bis dahin. Auch die Grazerin Hedi Gabler – sie hatte sich Brahms’ Violinkonzert gewählt – ließ aufhorchen; allerdings nicht so, daß man ihr recht geben mochte, als sie im Interview erkärte: Es schiene ihr "gar nicht fair", hier mitzumachen ... Denn der Wettbewerb hatte doch im ganzen ein hohes Niveau; das bewiesen zu Anfang des Konzerts ebenfalls das Orgelspiel des blinden Belgiers Paul Barras und ein Cellovortrag des Hamburgers Ottomar Borwitzky. Möge der Nachwuchs dem Funk für dieses "Concert" so dankbar sein, wie der Funk mit ihm zufrieden sein kann.

"Ödipus" als Hörspiel war in einer Gemeinschaftsproduktion von Radio Bremen/Südwestfunk zu hören. Der Tübinger Gräzist Wolfgang Schadewaldt stellte nicht nur seine neue Übersetzung aus dem Griechischen zur Verfügung, sondern auch gleich eine Funkbearbeitung. Es zeigte sich, daß der Funk ein genuiner Ort – vielleicht der einzig genuine Ort – ist, um antike Tragödien aufzuführen: weil hier das Wort in alle seine Rechte eingesetzt werden kann (was Christian Böhmes Regie und vor allem Gert Westphals eindringliche Sprache überzeugend taten), ohne daß sie durch Gesten und Mimik geschmälert werden. Beim reinen Hören kommt auch die Zeitlosigkeit der Sophokleischen Tragödie rein heraus; sogar die Chöre – sie folgten als schnelles vielfaches Echo auf die Worte eines Vorsprechers – wirkten als echter Teil des Stückes, während sie auf der Bühne oft nur wie pietätvoll bewahrtes Gerümpel anmuten. Dem Hörspiel wäre es möglich, die griechischen Tragödien für uns zu retten.

Wir werden hören:

Donnerstag, 25. September, 20.00 Uhr, vom SWF: The yong person’s guide to the orchestra nannte Benjamin Britten seine Purcell-Variationen. Mit ihnen spielt das Collegium musicum der Universität Mainz das Thema dieser Sendung: Zeitgenössische Musik zur "Woche der Jugend", die jungen Menschen zugänglich ist. Das Thema führen fort: Hindemiths Fünf Stücke für Streichorchester (op. 44) – eine Art Schulwerk – und einige der progressiven Violinduos, mit denen Bartók 1933 leichtes und schweres Zusammenspiel lehrte.

Freitag, 26. September, 20.00 Uhr, im NWDR: Ernst Schnabel bringt uns "Nachrichten vom Kongo". "Großes Tamtam" überschrieb er sie –: "Tamtam heißt Trommel. Sie kann singen – und sie kann sprechen." Was sie ihm erzählte: vom Aufbruch der Afrikaner in die Zukunft ihres Erdteils, vom Gang der Geschichte im großen Kongo-Bogen; wie er sie sah: den Strom und die Wälder, die Menschen, in den Dörfern und in ihrer großen Stadt Leopoldville – er gibt es uns wieder, erregend schön in der Geschichte einer Reise, "die das Ende eines weißen Fleckens auf der Karte enthält". (Siehe "Die Zeit", Nr. 33 vom 14. August.)

Sonnabend, 27. September, 20.45 Uhr, aus München: "Wann – wo – wie – warum?" fragt Robert Lembcke in dieser Sendung. Ein "Quiz" also, und damit hätten wir: erstens eine beliebte Unterhaltungssendung und zweitens die Möglichkeit, endlich einmal eine längst fällige Frage zu stellen. Sie fängt an mit Warum: Warum gibt es so wenig gute Unterhaltungsabende...? Wer’s bis 23.10 nicht erfährt, tröste sich dann tanzend beim Münchener "Rendezvous um Mitternacht".