Gebesserte Leistungsbilanz und vermehrtes Sozialprodukt als Ergebnis der Hilfe aus dem Westen

In den Finanzpolitischen Mitteilungen des Bulletins der Bundesregierung vom 30. August 1952 ist ein Aufsatz über die Leistungen des Bundes für Berlin veröffentlicht worden, worin die gesamten Zuschüsse in den Rechnungsjahren 1949 (Rumpfjahr), 1950 und 1951 mit 1,53 Mrd. DM angegeben werden. Rechnet man zu dieser Summe die Hilfen hinzu, die vor der Gründung der Bundesrepublik aus der britisch-amerikanischen Zone und der französischen Zone kamen, sowie die bisherigen Bundesausgaben für West-Berlin im Rahmen des Rechnungsjahres 1952, so ergibt sich für die Zeit von Mitte 1948 bis Mitte 1952, also in vier Jahren, ein Gesamtbetrag von 2,24 Mrd. DM, der West-Berlin aus öffentlichen Mitteln Westdeutschlands zugeflossen ist. – Dazukommen aus amerikanischen Mitteln (ERP und GARIOA) 1,74 Mrd. DM und aus den verschiedensten sonstigen Quellen weitere 0,59 Mrd. DM.

Die Notwendigkeit solch hoher Zuschüsse ist dadurch gegeben, daß West-Berlin aus Gründen, für die es nicht verantwortlich gemacht werden kann (Verlust der Hauptstadteigenschaft und des natürlichen Hinterlandes, Blockade, Abtrennung des Ostteils der Stadt, Zerstörung und Demontage von rd. 85 v. H. der industriellen Kapazität usw.), seit Jahren nicht in der Lage ist, die ausreichende Versorgung der Bevölkerung aus eigener Kraft zu bestreiten. Dabei ist die West-Berliner Wirtschaft angesichts ihres Großstadtcharakters insbesondere auf einen lebhaften Güteraustausch mit der übrigen Welt angewiesen, bei dem einem weitgehend starren, hohen Einfuhrbedarf eine zwar steigende, aber durch Absatzerschwernisse aller Art noch immer zu geringe "Ausfuhr" gegenübersteht.

Vor dem Kriege schloß die Leistungsbilanz Berlins – in ihr werden diese besonders wichtigen Austauschvorgänge mit der übrigen Welt zusammengefaßt – überaus günstig für die Stadt ab. Die hohen Einnahmen aus der "Ausfuhr" von Gütern und Diensten übertrafen die notwendigen "Einfuhren" von Nahrungsmitteln, Rohstoffen usw. und ermöglichten einen jährlichen Überschuß von rd. 0,8 Mrd. RM.

Die Währungsreform vom Juni 1948 machte die wirtschaftliche Schwäche West-Berlins deutlich. Während die Einführung der D-Mark in Westdeutschland eine durch die totale Niederlage bedingte Phase großer wirtschaftlicher Not beendete und die Produktion in kurzer Zeit stark ansteigen ließ, war im blockierten West-Berlin an eine Aufrechterhaltung oder gar Erhöhung der seit 1945 nur langsam wieder gestiegenen Produktion nicht zu denken. Anderseits mußten ausreichendeGüterlieferungen über die Luftbrücke bereitgestellt und finanziert werden.

Im Blockadejahr 1948/49 war die Ausfuhrkraft der West-Berliner Wirtschaft noch so geschwächt, daß nur ein Viertel der durch die Flugkapazität begrenzten "Einfuhr" durch – eigene "Ausfuhr" abgegolten werden konnte.

Der Anteil dieser zusätzlichen (d. h. nicht durch Ausfuhr bezahlten) Einfuhr an der gesamten Einfuhr sank von 75 v. H. im ersten Jahr des untersuchten Zeitraums (jeweils Marshall-Plan-Jahr: 1. Juli bis 30. Juni) auf 52 v. H., dann auf 43 v. H. (1950/51) und endlich auf 34 v. H. (1951/52). Das heißt, daß zur Zeit bereits zwei Drittel der die Stadt von außerhalb erreichenden Zufuhren durch eigene Ausfuhrleistung – vorwiegend nach Westdeutschland und ins westliche Ausland – gedeckt werden können. Auch im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt West-Berlins ist der Einfuhrüberschuß von 32 v. H. auf 25 v. H. zurückgegangen. Eine deutliche, wenn auch keineswegs ausreichende Verbesserung der gesamt-wirtschaftlichen Lage West-Berlins ist aus diesen Zahlen abzulesen.