Erst verschwanden die Millionen, jetzt sind auch noch die Akten weg! Sie sind unter Berufung auf das Gesetz Nr. 13 der Alliierten Hohen Kommission am 24. September 1952 an das französische Militärgericht in Reutlingen ausgeliefert worden und damit für die deutschen Gerichte unerreichbar.

Es handelt sich um den Prozeß zwischen zwei ehemals deutschen Unternehmen, der Thüringischen Zellwolle AG., Schwarza, in der sowjetischen Zone, und der Schwäbischen Zellstoff AG., Ehingen, in der französischen Zone. Das Thüringische Werk (TZ) ist in einen "Volkseignen Betrieb" umgewandelt worden und dem Schwäbibischen Werk (SZ) ist es nicht viel besser ergangen, insofern, als dank der Fürsorge des französischen Treuhänders die Aktienmajorität (die dem thüringischen Werk gehörte) in französischen Besitz überführt worden ist. Der Vorstand des thüringischen Werkes hat inzwischen seinen Sitz nach Gronau in Westfalen verlegt und ist dort im Januar 1950 ins Handelsregister eingetragen worden, weil die Gesellschaft noch Kapitalbeteiligungen in der Westzone besitzt.

Zäh und verbissen kämpft der Vorstand der TZ seither um seine ehemalige Beteiligung an der französisch majorisierten SZ. Im Monat September ist nun unter dem Eindruck einer gewissen Torschlußpanik dieser Kampf in das Stadium höchster Aktualität geraten. Juristisch ausgedrückt ist folgendes geschehen:

Die TZ hatte Klage erhoben,

die SZ stellte Aussetzungsantrag,

die TZ zieht die Anklage zurück,

die SZ erhebt negative Feststellungsklage,