Der Geldmarkt ist flüssig, die Wirtschaft hat die Nachwirkungen der Flaute, die dem Korea-Boom folgte, weitgehend überwunden. Wieder einmal bestehen ernsthafte Aussichten, die diskriminierenden Steuern bei den Aktien etwas zu mildern. Aber dennoch hält sich die Kundschaft von den Börsen fern. Dieser Widerspruch ist eines der vielen Rätsel, die das Publikum den Banken aufgibt. Die Aussicht auf eine Aufhebung des Dividendenstops und die zu erwartenden Zugeständnisse in der Frage der Doppelbesteuerung der Aktien hätten allein schon eine aufbauende Tendenz bewirken müssen.

Das gilt jedoch nur für die Aktien. Denn bei den alten RM-Pfandbriefen beginnt es sich zu regen. Lebhalte Nachfrage bestand für Zuteilungsrechte, obwohl es bis zu ihrer Bereinigung noch eine Zeit dauern dürfte. Die Marge bis zu den effektiven Stücken zuzüglich der "Schattenquote" eröffnet eine willkommene Gewinnchance, die demjenigen, der warten kann, so gut wie sicher ist. Da die Stücke auch noch billig zu haben sind (effektive 70 bis 80 v. H.), wird beim Erwerb nicht einmal ein Risiko gelaufen, da zu Pari bei Fälligkeit eingelöst wird. Bevorzugt werden jene Serien, die vor Kriegsausbruch ausgegeben wurden, da bei den späteren hinsichtlich der Gewährung der Schattenquote noch Zweifel bestehen.

Trotz der im allgemeinen stark zurückgegangenen Umsätze herrschte am Montanmarkt noch eine überdurchschnittliche Geschäftstätigkeit. Bei leichten Tagesschwankungen ergaben sich im Vergleich zur Vorwoche nur unwesentliche Veränderungen. Rückläufig waren lediglich Rhein. Stahlwerke (minus 4) und Eisenhütten (minus 3 1/2 Punkte). Berlin meldete zum Wochenanfang ein größeres Angebot westdeutscher Pakete, dem gegen Wochenschluß wieder vorsichtige Rückkäufe folgten. Kaliwerke werden nach wie vor aufmerksam beachtet. Die Wintershall-Bilanz bot einige Anregungen. Der Kurs stieg von 107 auf 113, fiel zuletzt jedoch auf III v. H. zurück. Salzdetfurth blieb mit 86 v. H. kaum verändert. Bei rückläufiger Geschäftstätigkeit bewegte sich der IG-Farben-Kurs für effektive Stücke zwischen 106 und 108 und für Zuteilungsrechte zwischen 101 1/2 und 105 v. H. Französische Eigentümer von IG-Farben-Aktien haben die Erlaubnis erhalten, mit Zustimmung des Office des Changes auch an der Düsseldorfer Börse ihre Papiere zu verkaufen. Eine etwas merkwürdige Situation ergab sich bei der Phrix-Gruppe. Während die Aktien der Phrix-Werke selbst auf Grund der Erklärung der Konzernleitung über eine gute Beschäftigung der Tochtergesellschaften und des "selbst während des Tiefstandes erhalten gebliebenen Kapitals" eine mehrprozentige Kurssteigerung aufwiesen, gaben die Tochtergesellschaften Rhein. Kunstseide und Chemie-Faser ihre Spitzenkurse wieder her. Sie fielen auf 43 1/2 (50) bzw. 50 (55) v. H. zurück.

Frankfurt meldet eine leichte Uneinheitlichkeit bei den Maschinen-und Motorenwerten. Während MAN zum Wochenende freundlich schlossen, gaben NSU nach Pause um 8 Punkte nach. Auch Krauss-Maffei gaben nach den letzten Befestigungen l 2/8 Punkt wieder her. Einen relativ sehr hohen Kurs, der nur mit Interessentenkäufen zu begründen ist, weisen die Hochofenwerke Lübeck mit 124 (121 1/2) v. H. auf. Bei den Werften erlebten die Papiere der Dt. Werft eine – Sonderbewegung von 77 auf 86 1/2 v. H., ohne daß hierfür eine Begründung gegeben werden kann. Conti-Gummi erweisen sich als sehr widerstandsfähig. An der Börse in Hannover vermutet man, daß verschiedene Auslandskäufe die anhaltende Kaufneigung hervorgerufen haben.

Sehr viel Interesse fanden in der abgelaufenen börsenwoche die Banken, auch wenn es nicht in entsprechenden Umsätzen zum Ausdruck gekommen ist. Die auf den HV der drei Großbanken zum Ausdruck gekommene Dividendenreife ihrer Nachfolgeinstitute hat sehr befriedigt. Bei dieser Gelegenheit erinnerte man sich auch wieder der Dt. Überseeischen Bank, der früheren Außenhandelsbank dir Dt. Bank. Die Aktien der Dt. Übers. Bank zogen von 14 auf 28 v. H. an. Bisher wurden 24 v. H. für gerechtfertigt gehalten; als der Kurs vorübergehend höher war, hat man von seiten der Dt. Bank gewarnt. Vielleicht sieht man jedoch hinsichtlich der Zukunft der Dt. Überseeischen Bank jetzt etwas klarer und hält auch die Zeit für eine höhere Bewertung gekommen. –ndt.