Bayern hat drei Landesuniversitäten, und eine vierte, so meinen diese, könne es nicht geben. Gerade um die "Vierte" ist aber nun ein heftiger Kampf entbrannt. Partei ringt mit Partei, ja, mitten durch sie alle hindurch geht die große Trennungslinie. Nun aber hat der kulturpolitische Ausschuß des Bayrischen Landtags die Errichtung der vierten Landesuniversität in Regensburg mit 14 gegen 8 Stimmen angenommen.

Wird nun der Landtag selbst sich diesem Beschluß anschließen?

Was die bestehenden Landes-Universitäten gegen die Vierte vorzubringen haben, kann man an den traurigen Konturen und leeren Fensterhöhlen der Münchner Universität ablesen. Nicht einmal das Dach ist bis jetzt fertiggestellt. Die Kliniken liegen völlig im argen. In Würzburg ist zwar die Neue Universität wideraufgebaut, aber es fehlt an Nebengebäuden, an Laboratorien, an Kliniken, an Lehrmitteln jeder Art. Erlangen hat Grund, die gleichen Klagen vorzubringen.

Der vom Landtagsausschuß gehörte Rektor der Münchner Universität, Dr. Michael Schmaus, versicherte, daß die Rektoren der bestehenden Universität in keiner Weise von irgendeinem Konkurrenzneid bewegt seien. Er verneinte entschieden die Frage, ob sich Bayern eine neue Universität leisten könne. Zur Zeit befinde sich die Münchner Universität in einem geradezu lebensgefährlichen Zustand, der ihre Existenz aufs Spiel setze. Es sei undenkbar, jetzt eine neue Universität zu gründen und die bestehende Universität in ihrem Elendszustand zu belassen. Es handele sich hier um eine Entscheidung darüber, ob es in Bayern in Zukunft eine Wissenschaft in beachtlichem Sinne gebe oder nicht.

Wenn also nicht einmal für die vorhandenen Universitäten genügend Geld aufgebracht werden kann, argumentieren die Gegner der Vierten, wozu eine Neugründung? Überdies ist in den letzten anderthalb Jahren die Studentenzahl in Würzburg um 29 v. H., in Erlangen um 27 v. H. zurückgegangen. An den philosophisch-theologischen Hochschulen in Bamberg und Regensburg, aus denen nun die "Vierte" entstehen soll, betrug der Rückgang sogar 42,6 v. H.!

Wenn schon eine vierte Landesuniversität, wurde im kulturpolitischen Ausschuß des Landtags gesagt, dann etwas Sauberes, Gutes, das die Konkurrenz aushalten könne, und keine "Pamperl-Universität"! Auch gebe es bereits eine Inflation von Promotionen, warum diese also durch die Verleihung des Promotionsrechts an eine vierte Universität noch weiter vermehren?

Auch der bayerische Regionalismus meldet sich hier zu Wort. Weil Niederbayern und die Oberpfalz ("Opferpfalz" wurde gesagt!) immer benachteiligt würden, müßte nun Regensburg eine Universität bekommen. Aber nach diesem Schema brauchte man nicht vier, sondern sieben. Nämlich eine für jeden Regierungsbezirk. Das aber hieße den kulturellen Föderalismus doch etwas weit treiben. Besonders, da ihn der Bayerische Bund bezahlen muß. H. P. L.