B. P., Stockholm, im Oktober

Wie auf Bestellung traf rechtzeitig vor denWahlen für die zweite Kammer des schwedischen Reichstags am 21. September eine recht plötzliche Besserung der Konjunkturlage ein. Während die Regierung bereits die Ausarbeitung eines umfangreichen Nothilfeprogramms vorbereitete und mit einer Zunahme der Arbeitslosigkeit rechnete, erfolgte ganz von selbst ein unerwarteter Konjunkturumschlag. Noch weiß man nicht, ob er nur vorübergehend oder von Dauer seit! wird. Für das letzte aber spricht die Tatsache, daß der Auftrieb von den Konsumindustrien ausgeht. Sowohl die Textilindustrie wie die Leder- und Schuhindustrie sehen besseren Zeiten entgegen, da die Umsätze im Einzelhandel erheblich zugenommen haben. Im Schuhhandel lag der Absatz im Juli sogar teilweise über 25 v. H. höher als im Vorjahre. Aus dem Zentrum der schwedischen Textilindustrie, dem Län Älvsborg, wird gleichzeitig gemeldet, daß die Arbeitslosigkeit praktisch verschwunden sei. Auch die Kurzarbeit sei wesentlich zurückgegangen. Gerade aus der Textilindustrie aber waren bisher die meisten Arbeitslosen gemeldet worden.

An Holzwaren ist das Exportangebot wesentlich eingeschränkt worden. Hier und auch auf dem Zellulosemarkt verhält man sich abwartend. Nach der Hochkonjunktur von 1951 ist man dazu finanziell in der Lage. Die bessere Kohlenversorgung zu niedrigeren Preisen hat etwas erleichternd auf die angestrengte Rentabilitätslage der schwedischen Industrie im allgemeinen gewirkt, die an sehr hohe Löhne gebunden ist.

Auch auf dem Exportmarkt für Butter ist ein völliger Umschwung eingetreten. Statt der bisherigen Absatzschwierigkeiten steht man plötzlich vor einer Nachfrage, die so groß ist, daß man sie wahrscheinlich nicht befriedigen kann. Denn in diesem Jahre stehen statt 28 000 t nur rund 17 000 t Butter für die Ausfuhr zur Verfügung. Vor allem hat Frankreich überraschend 2000 t verlangt, statt der vereinbarten 100 t. Auch aus der Schweiz ist die Nachfrage lebhafter geworden. Mit Deutschland waren 9000 t vereinbart.

Der dunkelste Fleck auf dem nun so wesentlich helleren Bild der schwedischen Wirtschaftslage ist die Schiffahrt. Hier sind die schwedischen Reedereien durch die sozialen Vorschriften gegenüber anderen Ländern im Nachteil. Schwedische Schiffe müssen eine weitaus größere Besatzung haben als deutsche oder niederländische Frachter. Die sinkenden Raten haben deshalb in zunehmendem Maße dazu geführt, daß schwedische Schiffe aus dem Verkehr gezogen und aufgelegt worden sind. Andere Reeder benutzen die Lage zu nötigen Reparaturen und Überholungen.